Internet-Parodie: Labour-Abgeordneter äfft Tory-Chef nach
zuletzt aktualisiert: 13.10.2006 - 10:36London (rpo). Einen Skandal hat der britische Labour-Abgeordnete Sion Simon seiner ohnehin schon krisengebeutelten Partei beschert, indem er im Internet den konservativen Parteichef David Cameron nachgeäfft hat. Dafür hagelt es jetzt Kritik von allen Seiten, denn im Gegensatz zu Parodist Sion Simon finden die meisten Politiker den Scherz wenig witzig und sind keineswegs "amused".
Der 37-Jährige hat in einem Video bei "YouTube" Cameron betont lässig in T-Shirt und Baseballkappe als "Dave" nachgemacht. Dabei ahmt er Jugendjargon nach und tut er so, als wolle er seine Ehefrau und Kinder verhökern. "Yo, ich heiße Dave, OK? Das Ding ist, ich bin ganz so wie ihr", plappert Simon in die Kamera. "Willst du mit meiner Frau schlafen? Das geht klar. (...) Ich habe zwei Kids, Kid eins, Kid zwei. Du magst sie? Du kannst eins haben - das ist OK."
Mit dem Film spielte Simon auf Camerons Homepage an, auf der der Tory-Chef in kurzen Clips und lockerem Ambiente seine Politik erläutert. Dem Rundfunksender BBC sagte Simon zu seiner Verteidigung, er halte es für "ärgerlich und enttäuschend", dass Cameron "sich auf oberflächliche Weise etwas zueigen macht, was er für ein Jugendmedium hält". Seine Labour-Kollegen hätten sich über seine Parodie schief gelacht. "Aus der Labour-Partei habe ich nichts anderes gehört als 'gut gemacht, sehr lustig'."
Der Labour-Abgeordnete Stephen Pound bezeichnete das Video am Donnerstag allerdings als "einen neuen Tiefpunkt in der britischen Politik". Der Fraktionsvorsitzende und Ex-Außenminister Jack Straw betonte, im politischen Diskurs sollten ein "einigermaßen hohes Niveau" gewahrt und persönliche Attacken vermieden werden. Der konservative Abgeordnete Andrew Mitchell erklärte schlicht: "Der arme Sion ist offensichtlich verrückt geworden."
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