Gustloff-Tragödie im ZDF enttäuschte: Langatmig, emotionslos, umständlich
VON SEBASTIAN BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 02.03.2008 - 22:34Düsseldorf (RPO). Welch tragische Geschichte: Im Januar 1945 warten tausende Flüchtlinge in Gotenhafen an der Ostsee auf Rettung. Ihre größte Hoffnung ist die riesige Gustloff. Sie bietet Platz für bis zu 10.000 Menschen und soll in wenigen Tagen nach Kiel aufbrechen. Der junge Kapitän Hellmut Kehding (Kai Wiesinger) gibt sich alle Mühe, möglichst viele Zivilisten an Bord zu nehmen.
Der erste Teil zeigt die Vorbereitungen zur Abfahrt. Schnell werden die Rivalitäten klar: Korvettenkapitän Petri (Karl Markovics) möchte mit seinen jungen U-Bootfahrern, die den ehemaligen Kreuzfahrtdampfer rund vier Jahre lang als Wohnschiff genutzt haben, möglichst schnell auslaufen, um in Kiel auf neuen U-Booten in den Krieg zu fahren. Das Schicksal der Flüchtlinge ist ihm egal. Der zivile Kapitän Kehding dagegen möchte möglichst viele Menschen an Bord nehmen und verlangt mehr Schwimmwesten und Rettungsbote.
Dazu gibt es die fast schon obligatorische Liebesgeschichte: Kapitän Kehding liebt die junge Marinehelferin Erika Galetschky (Valerie Niehaus) und will sie mit auf sein Schiff holen. Die wiederum möchte einer Mutter mit Kind und ihrer schwangeren Begleitung helfen. Hier beginnt schon das Problem: Als Zuschauer muss man sich auf zu viele Personen einstellen, die alle irgendwie miteinander verwoben sind und doch wenig miteinander zu tun haben.
Die ersten Minuten des ZDF-Zweiteilers sind vielversprechend: Zur gut bekannten Rede Joseph Göbbels ("Wollt Ihr den totalen Krieg?") werden die ausgezehrten Gesichter der frierenden Flüchtlinge gezeigt. Diese Menschen sehnen sich nicht mehr nach dem Endsieg, sie wollen einfach in Frieden leben. Doch die Spannung hält nicht lange. Die Vorbereitungen bis zum Auslaufen des Schiffes am 30. Januar ziehen sich ewig in die Länge - und zu keinem Zeitpunkt hat man als Zuschauer die Sorge, dass eine der eingeführten Personen nicht mehr rechtzeitig auf das Schiff kommen wird. Da hilft auch die spannungsgeladene Musik nicht, die Regisseur Joseph Vilsmaier immer wieder ertönen lässt.
Die eigentliche Fahrt und der Untergang nach dem Torpedo-Angriff eines russischen U-Bootes findet ausschließlich im zweiten Teil statt, der Montagabend ab 20.15 im ZDF läuft. Doch um diesen mit Spannung zu erwarten, wurde der erste Teil zu langatmig und emotionslos erzählt.
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