Fernsehen: Liebe, Ehe und Liebhaber
VON GUIDO DIESING - zuletzt aktualisiert: 19.03.2007 - 12:39Düsseldorf (RP). Zum 80. Geburtstag von Martin Walser am kommenden Samstag macht das ZDF dem Schriftsteller schon jetzt ein Geschenk: eine Verfilmung seines Romans „Ohne einander“ von 1993. Darin erzählt Walser 24 schicksalhafte Stunden im Leben einer Familie. Sylvio Kern (Klaus Pohl) ist Schriftsteller, seine Frau Ellen (Franziska Walser) Journalistin.
Dass die beiden eine offene Ehe führen und sich Beziehungen zu Liebhabern zugestehen, irritiert ihre beiden Kinder, besonders die 19-jährige Sylvi (Vijessna Ferkic), die idealistischere Vorstellungen von Treue hat. Als sich Ellen zu einer Verabredung mit ihrem Liebhaber Ernest (Jürgen Prochnow) verspätet und dieser im Haus der Familie lediglich Sylvio und Sylvi antrifft, bahnt sich eine Katastrophe an.
Für Martin Walser ist die Filmversion von „Ohne einander“ eine erfreuliche neue Erfahrung. Mit den bisherigen Versuchen, seine Werke in Filmsprache zu übersetzen, war er nie zufrieden: „Was das verfilmt werden angeht, bin ich bisher nicht verwöhnt worden. Da gab es Peinlichkeiten um Peinlichkeiten, und ich musste anschließend immer versuchen, unehrlich zu sein, wenn ich nach meiner Meinung gefragt wurde. Mit diesem Film habe ich kein Problem. Er gefällt mir vollkommen.“ Mit diesem Lob schließt der Autor ausdrücklich die Freiheiten ein, die sich Regisseur Diethard Klante beim Schreiben des Drehbuchs genommen hat: „Ich habe ihm gesagt, er solle den Roman als Steinbruch benutzen und sehen, was er daraus machen will. Er sollte bloß nicht am Buch entlang filmen, und hat das auch nicht getan.“ Vieles sei ganz anders als im Roman geraten und erfährt dadurch eine große Steigerung.
Der Film thematisiert die Einsamkeit seiner Figuren und ihre Suche nach dem Glück, ohne dass er dem Zuschauer die Möglichkeit bietet, sich mit den Handelnden zu identifizieren. Zu schwach und teils fast lächerlich agieren sie. Vor allem Sylvio, den eitlen und egozentrischen Schriftsteller, der gar nicht genug Zuspruch zu seinem Werk bekommen kann, gestaltet Walser mit gehöriger Selbstironie.
So schwankt der Film zwischen tragischen Momenten und Szenen grotesker Komik, wirkt dabei aber nur selten überraschend und originell, sondern meist nur unentschlossen. Walser verteidigt die mangelnde Zugehörigkeit zu einem Genre vehement: „Es gibt keinen ernsthaften Vorgang, der keine Komödie in sich birgt. Mich interessiert nichts, was nur ernsthaft sein will, und alles andere ist Kasperltheater.“ Für den Zuschauer ist es nicht leicht, die Figuren und ihre Probleme ernst zu nehmen.
Dass Regisseur Klante Schwierigkeiten hatte, einen Sender für das Projekt zu gewinnen, verwundert nicht. Er selbst führt das auf die Wesensart der Hauptfiguren zurück: „Zu fremd sind diese Menschen dem Alltag des Fernsehens.“ Das Problem des Films ist: Sie bleiben auch dem Zuschauer fremd und machen es ihm mit fortschreitender Dauer schwer, nicht das Interesse an ihnen zu verlieren.
Der Film wird am Montag um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







