TV-Kritik zur neuen Staffel: Liebeschaos in Grey’s Anatomy
VON DENISE BUCHHOLZ - zuletzt aktualisiert: 04.04.2007 - 08:57Düsseldorf (RPO). Eine Woche haben sich die deutschen Fans von „Grey’s Anatomy – die jungen Ärzte“ Gedanken gemacht: Wie geht Izzies Leben nach Dennys Tod weiter? Was passiert mit Burkes Karriere als Herzchirurg? Und: Kommt Meredith wieder mit Dr. „McDreamy“ Derek Shepherd zusammen? Fragen über Fragen, auf die es gestern Abend mit der ersten neuen Folge auf ProSieben Antworten gab – oder auch keine.
Nahtlos knüpft die neue Staffel dort an, wo die zweite endete: Izzie ist nach Dennys Tod völlig verzweifelt. Sie muss mit dem Verlust ihres Verlobten fertig werden – und sucht auf dem Badezimmerboden nach Antworten. Auch beruflich steht sie an einem Scheideweg, denn sie hat ihren Job gekündigt. Jeder ihrer Freunde leidet mit ihr, und der Zuschauer gleich mit. Es ist eine der Stärken der Serie, dass die Geschichten einen derart fesseln und emotional teilhaben lassen.
Überzeugende Darsteller
Im Gegensatz zu den erfolgreichen Vorgängern wie „Chicago Hope“ oder „Emergency Room“ dreht es sich in der TV-Produktion nicht nur um spannende, medizinische Fälle, sondern auch ganz stark um das (Liebes-) Leben der fünf Assistenzärzte. Dass das Ganze so wunderbar funktioniert und eine immer größer werdende Fangemeinde hat, liegt an dem hervorragenden Drehbuch von Shonda Rhimes, dass immer für eine Überraschung gut ist. Und natürlich an den überzeugenden Darstellern: Die Figuren machen es einem leicht, sich in sie hineinzuversetzen und sie zu mögen – selbst ein Ekelpaket wie Alex Karev kann durchaus sympathisch sein.
Bemerkenswert ist es auch, welche Reifungsprozesse die einzelnen Charaktere durchlaufen. Bestes Beispiel dafür ist die oft unterkühlt wirkende Assistenzärztin Cristina, die sich immer öfter ihren Gefühlen stellen muss. Wenn sie, wachgerüttelt durch Izzies Schicksal, an das Krankenbett von Preston Burke eilt und ihn bittet, nie zu sterben, möchte man vor Freude „endlich!“ rufen. Doch das Drama um Burkes Verletzung und somit seiner Karriere ist noch lange nicht ausgestanden – wäre ja viel zu langweilig.
Verräterischer schwarzer Slip
Wie nah Liebesfrust und -lust beieinander liegen, zeigt sich in dem komplizierten Beziehungsgeflecht zwischen Tierarzt Finn Dandridge, Meredith, Derek Shepherd und seiner Ehefrau Addison. Nachdem Derek zum Ende der letzten Staffel Sex mit Meredith im Behandlungszimmer hatte, scheint in den neuen Folgen alles wieder offen. Während Addison in stiller Verzweiflung den verräterischen Slip ans Schwarze Brett pinnt, kommt es – dem Drehbuch sei dank – zu der Szene, auf die der hartgesottene Fan seit zwei Staffeln sehnsüchtig hofft: Derek gesteht Meredith seine Liebe. „Mädel, worauf wartest Du?!“, wird sich der ein oder andere Zuschauer gefragt haben. Doch es wäre nicht „Grey’s Anatomy“ und viel zu einfach, wenn sich die beiden jetzt in die Arme fallen würden. Die Beziehungen sind zugegeben manchmal etwas sehr extrem dargestellt, dafür aber umso unterhaltsamer.
Während bei manchen Serien wie etwa „Ally McBeal“ die Staffeln leider stark nachließen, kann man zu diesem gelungenen dritten Auftakt den Machern nur gratulieren: Nach einer knappen Stunde des Schmachtens, Leidens und Freuens möchte der Zuschauer sofort die nächste Folge sehen, muss sich jedoch bis kommenden Dienstag in Geduld üben. Und bis dahin? Einfach die entscheidenden Szenen zigmal auf Video ansehen.
Grey’s Anatomy – die jungen Ärzte, dienstags auf ProSieben, 22.15 Uhr
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