Dresden: Liebesgeschichte im Flammeninferno
zuletzt aktualisiert: 03.03.2006 - 14:34Berlin (rpo). "Es heißt, das erste Opfer des Krieges ist die Unschuld. Es ist auch das letzte." Die Schrecken der Bombardierung sind Krankenschwester Anna Mauth, gespielt von "Berlin, Berlin"-Star Felicitas Woll, anzusehen. Mit dem Zweiteiler "Dresden" zeigt das ZDF am Sonntag und Montag eine ergreifende Liebesgeschichte inmitten einer für ganz Deutschland traumatischen Erfahrung.
Das Dresdner Inferno gilt als deutsches Trauma. "Es gibt kaum ein anderes Erlebnis im Zweiten Weltkrieg, das den Wahnsinn des Krieges so auf den Punkt bringt", glaubt Produzent Nico Hofmann von Teamworx, der sich über vier Jahre mit dem Projekt beschäftigt hat. Folglich hat es ZDF-Fernsehspielchef Hans Janke als "außergewöhnliche Besonderheit und etwas Brisantes" empfunden, "eine Katastrophe nachzuerzählen, über die es bis heute eine moralische Kontroverse gibt". "Dresden" sei eine Gradwanderung, weil es Leichtes mit Schwerem verbinde.
Gefangen im Luftschutzkeller
In der Realität fallen bereits bei der ersten Angriffswelle der britischen Lancaster-Flotte am 13. Februar kurz vor 22 Uhr mehr als 880 Tonnen Spreng- und Brandbomben auf die Altstadt. "Schwere Luftminen, so genannte 'Wohnblock-Knacker', unterstützen das Zerstörungswerk", berichtet Historiker Rolf-Dieter Müller, der mit internationalen Kollegen an der Entstehung des Zweiteilers beteiligt war. Mehr 25 000 Häuser verbrennen in dieser Winternacht, Zehntausende verlieren ihr Leben - erstickt in den Kellern, zerfetzt von Bomben.
In der Fiktion erfährt die deutsche Anna Mauth stellvertretend für alle Betroffenen am eigenen Leib, was die Nazis zuvor anderen Völkern angetan haben. Das Epos setzt wenige Tage vor der Bombardierung ein. Die Arzttochter will sich mit dem engagierten Chirurgen Alexander Wenninger (Benjamin Sadler) verloben, als sie Robert Newman (John Light) begegnet. Obwohl sich der Fremde als abgeschossener englischer Bomberpilot entpuppt, verlieben sich Robert und Anna ineinander. Schließlich kämpft das Paar gemeinsam mit Alexander in dem verheerenden Feuersturm ums Überleben.
Dem Unfassbaren Bilder verleihen
Schonungslos lässt das ZDF in dem mit über zehn Millionen Euro aufwändigsten deutschen Film das Grauen wieder auferstehen und "kann dem Unfassbaren Bilder verleihen", beschreibt Sadler. Dabei vermeidet der Zweiteiler jegliche Schwarz-Weiß-Malerei und zeichnet stattdessen ein authentisches Gesellschaftspanorama: Die Skepsis gegenüber dem Naziregime äußert sich unter den deutschen Protagonisten ebenso wie der blinde Gehorsam. Zudem wird die englische Sicht einbezogen, die von britischen Akteuren in ihrer Muttersprache verkörpert wird.
Und dennoch gelingt dem 180-minütigen Werk eine vom ZDF angestrebte "Versöhnung". Die vielfach preisgekrönte Woll ("Berlin, Berlin") und Charakterdarsteller Light nehmen in ihren glaubwürdigen Rollen die spätere Annäherung zweier verfeindeter Nationen vorweg. Mit der bewegenden Wiedereröffnung der Frauenkirche im Oktober 2005 spannt das ZDF am Ende von "Dresden" den Bogen bis in die Gegenwart.
Heiner Lauterbach, Wolfgang Stumph, Marie Bäumer und Kai Wiesinger komplettieren das hochkarätige Ensemble, das nach einem Drehbuch von Stefan Kolditz 68 Tage unter der Regie von Roland Suso Richter vor der Kamera stand. Über 1600 Komparsen an den Originalschauplätzen in Dresden, Leipzig und Nordrhein-Westfalen sowie eine acht Monate lange digitale Postproduktionsphase, in der mit modernster Tricktechnik Realfilm, Originalaufnahmen und Computeranimiertes zusammengeführt wurden, runden das gelungene Projekt ab.
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