Meditations-Klänge reichen nicht: Mario Barth darf nicht in Musik-Charts
VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 06.10.2009 - 19:31Düsseldorf (RPO). Mario Barths neues Album verkauft sich zwar ausgesprochen gut sorgt aber trotzdem für Streit. Bei der Plattenfirma Sony ärgert man sich darüber, dass Barth nicht für die offiziellen Media Control Verkaufs-Charts zugelassen wird.
„Mario Barth hätte dort diese Woche Madonna von Platz eins verdrängen müssen”, sagt Sebastian Hornik von Sony. Das Album „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!” habe im Wertungszeitraum die höchsten Verkäufe erzielt und erfülle alle Erfordernisse für eine Qualifizierung in den Musikcharts.
Beim Bundesverband der Musikindustrie sieht man das anders. „Für uns war das ein Versuch, über ein Hintertürchen in die Charts zu gelangen”, so Sprecher Daniel Knöll. Seit 2007 sind in Deutschland Musik- und Comedy-Charts getrennt. Um sich in den Musikcharts zu platzieren, muss ein Album einen Musikanteil von mindestens 50 Prozent besitzen.
Im Falle von Barth hat Sony das Problem gelöst, in dem man zum aktuellen Comedy-Programm ein zweites, etwas längeres Album dazu packte mit Ayurveda-Musik. „Wir erfüllen die Regeln und werden trotzdem ausgeschlossen das ist für uns nicht nachvollziehbar”, so Hornik.
Auch Mario Barth äußerte sein Unverständnis. „Ich finde es gerade für die Fans schade, dass hierzulande Comedy noch immer diskriminiert wird”, so der Comedian. „Wir sind längst Teil der Popkultur und werden dennoch konsequent aus den Charts verbannt. Auch wenn wir regelkonforme CDs auf den Markt bringen. Michael Jackson fliegt aus den Charts, weil nur lebende Künstler da rein dürfen oder die Beatles, weil nur Bands gelistet werden, die noch zusammen sind? Die Herren der Charts haben damit zumindest eines gezeigt: Sie haben keinen Humor.”
Stefan Michalk, Geschäftsführer beim Bundesverband der Musikindustrie, verteidigt seine Position. Für den Konsumenten sei es nur schwer nachvollziehbar, was Wortprodukte wie Comedy in den Musikcharts zu suchen hätten. „Aus diesem Grund wurden im vergangenen Jahr extra die Comedy-Charts geschaffen. Der Versuch, sich über eine Bonus-CD mit Meditations-Musik trotzdem in die Musikcharts zu schleichen, war eines Comedian vom Rang Mario Barths zwar würdig, am Ende aber doch nicht regelkonform.”
Zu eventuellen rechtlichen Schritten wollte man sich bei Sony nicht äußern. Allerdings verweist man auf die US und UK Charts. „Dort werden Comedians gemäß ihrer Abverkäufe in den offiziellen Musikcharts gewertet. Die Käufer sollten auch hier entscheiden, was oben in den Charts steht”, so Hornik.
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