Schmiergeldskandal: MDR-Sportchef Mohren suspendiert
zuletzt aktualisiert: 04.07.2005 - 21:34Leipzig (rpo). Der Schmiergeldskandal in der ARD weitet sich aus: Nach dem mittlerweile in Untersuchungshaft sitzenden ehemaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, ermittelt die Staatsanwaltschaft nunmehr auch gegen den Sportchef des MDR-Fernsehens, Wilfried Mohren. Wie der Sender am Montagabend erklärte, ist Mohren bis auf weiteres suspendiert worden.
Nach den Durchsuchungen in der Leipziger Sendezentrale hätten der Sportchef und der MDR einvernehmlich vereinbart, den Arbeitsvertrag ruhen zu lassen. Der Sportchef trage diese Entscheidung ausdrücklich mit, um Schaden vom Sender abzuwenden, hieß es.
Gegen Mohren wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen "Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr" ermittelt. Die Leipziger Behörde habe zuvor Unterlagen von der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Emig erhalten.
Beamte hatten am Montag das Büro des Journalisten sowie weitere Objekte durchsucht. Eine MDR-Sprecherin erklärte, die Ermittlungen richteten sich gegen Mohren als Person und nicht gegen den Sender. Der MDR zeige sich kooperativ und habe alle verlangten Akten und Schriftstücke an die Ermittler übergeben.
MDR-Unternehmenssprecher Eric Markuse sagte am Abend: "Wir hoffen, dass auch diese Ermittlungen schnell zu Klarheit führen und die Suspendierung bald wieder aufgehoben werden kann." Bereits im vergangenen Jahr wurde nach einer anonymen Anzeige gegen Mohren wegen Korruptionsverdacht ermittelt. Diese Vorwürfe erwiesen sich nach Senderangaben als haltlos und die Ermittlungen eingestellt.
Der MDR hatte nach eigenen Angaben bereits in der vergangenen Woche seine Geschäftsbeziehungen zur in den Fall verwickelten Firma SMP offen gelegt. Nach Medienberichten soll Emigs Partner Harald Frahm auch zwei Aufträge vom MDR erhalten haben. Emig, der wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft sitzt, wird Bestechlichkeit und Betrug vorgeworfen, weil er in Sportsendungen seines Senders Produkte von Firmen platziert haben soll, die Kunden der Media-Agentur seiner Frau Atlanta sind. Außerdem wird ihm vorgeworfen, dass er kleine Sportvereine und Veranstalter für öffentlich-rechtliche Sendezeit bezahlen ließ.
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