Stimmungsumschwung in Bevölkerung möglich: Medienexperte: Krieg wird riskant für US-Regierung
zuletzt aktualisiert: 26.03.2003 - 07:00Düsseldorf (rpo). Die Bilder von toten und gefangengenommenen US-Soldaten sind nach Meinung eines Medienexperten mit dafür verantwortlich, dass es in der US-Bevölkerung zu einem Stimmungsumschwung gegen den Krieg kommen könnte.
Die aktuellen Entwicklungen im Irak-Krieg drohen nach Ansicht des Medienpsychologen Jo Groebel zu einem Risiko für die US-Regierung zu werden. "Es wird langsam heikel und könnte zu einem Stimmungsumschwung der Öffentlichkeit in den USA kommen", sagte der Direktor des Europäischen Medieninstituts in Düsseldorf im dpa- Gespräch. Die Erwartungen seien ohnehin "zerbrechlich" gewesen.
Die Aussichten auf ein schnelles Kriegsende seien geschwunden. Zu den Bildern von toten und gefangenen US-Soldaten komme der mäßige Zuspruch aus der irakischen Bevölkerung für die Truppen der Allianz. "Der große Jubel ist bislang ausgeblieben, das ist eine visuelle Enttäuschung", so der Medienwissenschaftler.
In der Welt-Öffentlichkeit sei die US-Kommunikationspolitik bislang ohnehin nicht aufgegangen. "Bei den Bilderquellen gibt es eine große Vielfalt und die Redakteure sind sehr vorsichtig geworden", sagte der Professor. Zudem würden die US-Militärs an anderen Standards gemessen als die "schlechte oder manchmal bauernschlaue irakische Propaganda".
"Es gibt eher die Tendenz, besonders vorsichtig mit US- Informationen umzugehen", so der Professor. Journalistisch sei dies "ein deutlicher Fortschritt, auch wenn man inzwischen fast den Eindruck hat, die Redakteure glauben überhaupt nichts mehr."
Die USA hätten es zudem versäumt, ein klares Szenario für die Zeit nach dem Krieg zu entwerfen. "Im Gegensatz zu 1991, als die Welt weitgehend gegen Saddam Hussein zusammenstand, sind die Beziehungen der Völker diesmal über den Haufen geworfen worden." Dadurch sei eine "globale Ratlosigkeit und Verunsicherung" entstanden. In dieser Situation seien die Medienbilder der kommenden Tage entscheidend für die öffentliche Stimmung.
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