Festliche Verleihung: Medienpreis: Hillary Clinton überrascht Gäste
zuletzt aktualisiert: 13.02.2005 - 21:29Baden-Baden (rpo). US-Senatorin Hillary Clinton nahm am Sonntagabend in Baden-Baden den Deutschen Medienpreis entgegen. CDU-Chefin Angela Merkel würdigte die Politikerin in ihrer Laudatio als "eine Frau der Superlative". Clinton selbst überraschte die über 100 prominenten Gäste mit einer offenen Kritik an der US-Regierung.
Die 57-jährige Frau von Ex-Präsident Bill Clinton sei eine Weltbürgerin und politisches Vorbild für Millionen Menschen auf der ganzen Welt. "Sie kann das sein für Frauen wie für Männer", betonte Merkel. Clinton arbeite daran, starre Rollenmuster zu erweitern und Doppelmoral zu überwinden.
Merkel nannte die Senatorin, die als potentielle US-Präsidentschaftskandidatin für das Jahr 2008 gilt, eine vielschichtige Persönlichkeit und mutige Frau mit Stehvermögen. Sie habe mit Erfolg dafür gekämpft, dass Frauen in Politik, Beruf und Gesellschaft an Gewicht gewinnen.
Hillary Clinton kritisiert USA
Die Preisträgerin mahnte in ihrer Rede die US-Regierung dazu, die derzeitige Macht der USA intelligenter zu nutzen und stärker auf Verbündete zuzugehen als bislang. "Ein starkes Europa ist auch gut für die USA", sagte sie. Europa müsse zugleich anerkennen, "dass sich die Bedrohung durch islamistische Terrorgruppen nicht nur gegen die USA richtet".
Ein Kollaps der neuen Regierung im Irak etwa wäre auch schlimm für Europa. Als größte Gefahr der nächsten Jahrzehnte nannte sie "ein Machtvakuum, in das destruktive Kräfte eindringen könnten". Die NATO sei für die Zukunft der USA so wichtig wie sie in der Vergangenheit war, betonte Clinton, die seit rund vier Jahren Senatorin für den US-Bundesstaat New York ist.
Die ehemalige norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland lobte Clintons "große Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen und zu überzeugen".
Gäste bei der Preisverleihung
Zur Preisverleihung im Kongresshaus der Kurstadt kamen rund 100 prominente Gäste mit Begleitung, darunter Tennis-Idol Boris Becker, die Rock-Röhre Tina Turner, der Sänger Peter Maffay, TV-Moderator Günther Jauch, die "Heute-Journal"-Moderatoren Claus Kleber und Marietta Slomka. Rund 200 Journalisten waren akkreditiert.
Der Träger des Medienpreises wird von einer Jury deutscher Chefredakteure bestimmt. Vor einem Jahr hatte US-Generalsekretär Kofi Annan die Auszeichnung erhalten. Die Laudatio hielt damals Bill Clinton, der den Medienpreis für das Jahr 1999 erhalten hatte, als er noch US-Präsident war.
Die jährlich vergebene, undotierte Auszeichnung wurde 1992 vom Gründer des Baden-Badener Medienanalyse-Unternehmens "Media Control", Karlheinz Kögel, ins Leben gerufen. Er überreichte den Preis - eine handgeformte, diesmal in den Farben der US-amerikanischen Flagge bemalte - Keramikfigur. Kögel sagte zur Preisträgerin: "Sie sind für mich wie ein Eisbrecher, der mit großer Kraft in dickem, geschlossenen Eis eine Spur bahnt, um Platz, Raum und Richtung für Millionen von Frauen zu schaffen."
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