"Germany's Next Topmodel": Miriams Rauswurf entzaubert TV-Show
VON ANDREA RACHUY - zuletzt aktualisiert: 23.04.2010 - 09:13Düsseldorf (RPO). Eines muss man der Jury lassen: Ihre Entscheidungen sind unberechenbar. Miriam galt von Anfang als eine den Besten. Die Stuntfrau zeigte Profil und Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und die nötige Willenskraft, "Germany's next Topmodel" zu werden. Trotzdem oder gerade deswegen wurde sie aussortiert.
Statt ihrer kamen Leyla, Neele, Viktoria, Pauline, Laura, Alizar und Wioleta unter die Top Ten. Auch Hanna, Louisa und Jaqueline sind weiter dabei, obwohl sie mal wieder ernstzunehmende Kritik einzustecken hatten. Hanna ist entweder top oder flop. Entweder heult die 18-Jährige oder sie lacht hysterisch. Louisa ist mit ihren stolzen 170 Zentimetern Körpergröße definitiv zu klein, um als Siegerin aus der Sendung zu gehen. „Q“ nannte sie liebevoll ein „Porn-Girl“, denn Louisas einzige Facette scheint ihre sexyness zu sein.
„Mir geht der Kackstift“
Jaqueline kann eigentlich nichts so richtig gut. Außer vielleicht polarisieren. Sie macht weniger durch gute Shootings und viele Jobs auf sich aufmerksam. Das holt sie dann aber nach, indem sie mit superflachen Kommentaren die Aufmerksamkeit der Kamera sicher hat und frei Schnauze gegen andere hetzt. Im Vorfeld der Challenge, bei der die Mädchen für eine auf ihrer Hand sitzende Tarantel werben sollten, ging ihr ordentlich „der Kackstift“. Frei übersetzt wollte sie mit dieser Formulierung wohl ihre Angst vor dem haarigen Tier kundtun.
Besonders Laura geht ihr auf die Nerven. Als die Favoritin der Woche beim Catwalk-Training mit Jorge Gonzales ein zwölftausend-Dollar-teures Kleid anziehen durfte, ging die Eifersucht mit ihr durch. „Warum schon wieder Laura“, fragte sie den Trainer. „Weil sie es verdient hat“, antwortete dieser empört.
Die ehrgeizige Düsseldorferin gewann das Casting der Woche und durfte mit den wundervoll kitschigen Accessiores von Tarina Tarentino "Alice im Wunderland" mimen. Auch beim Fotoshooting am Strand von Los Angeles machte die mittlerweile wieder blond Gefärbte eine gute Figur. Aber auch Leyla und Neele beeindruckten den Fotografen mit Ausdruck und Willenskraft. Neele stürzte sich im freizügigen Algen-Outfit sogar in die eiskalten Fluten. Laura und Leyla posierten auf kosmischen Silberbällen.
„Das kriegen wir schon hin“
Eigentlich haben sie sich aber alle gut geschlagen beim Strand-Shooting. Vielleicht lag es an der Einstellung des Fotografen. Michel Comte ist einer der bekanntesten Portrait- und Dokumentarfotografen unserer Zeit. Im Gegensatz zu Rankin, der den Mädchen in der letzten Folge ordentlich Feuer unterm Hintern machte, ging der Schweizer sehr positiv an die Sache heran. Mit Sätzen wie: „Das kriegen wir schon hin“ machte er Mut.
Die Mädchen mussten gleich mehreren Herausforderungen entgegentreten. Zum Einen waren ihre Körper mit nur wenigen Algen bedeckt, so dass zumindest das wirklich große Team sie in voller Blöße betrachten konnte. Außerdem war es kalt und durch die eingesetzte Windmaschine noch kälter. Die war so stark eingestellt, dass Wioleta gleich mehrmals umgepustet wurde. Doch die harte Arbeit hat sich gelohnt. Zumindest für zehn der Mädels. Sie bekamen ein Editorial-Foto in schwarz-weiß, sie waren kosmische Badenixen und sie sind die Top Ten bei "Germany's Next Topmodel".
Jetzt, nach acht Folgen ist man in dieser Staffel da angelangt, wo man vor fünf Jahren startete. Mit den Jahren wurde die Sendung immer mehr in die Länge gezogen. Leider nicht aus dem Grund, weil einfach zu viele zu schöne Mädchen dabei sind, sondern nur, weil die Einschaltquoten es zulassen.
Miriams Rauswurf war ein gutes Beispiel für den Sinn der Sendung. Im Vordergrund stehen nicht die Guten, die Geeigneten und Ehrgeizigen. Nein, unter die besten Zehn kommen die schüchternen und die hässlichen Entlein. Die, die polarisieren und diejenigen, die formbar sind. Die Mädchen, die später die großen Überraschungstalente sind. Hier soll kein wahres Topmodel geschaffen werden. Hier will sich die Jury auf die Stirn schreiben, den richtigen Riecher gehabt zu haben.
Dass man von Anfang an die schöne Prinzessin im schaurigen Aschenputtel gewittert hat. Damit sich auch im nächsten Jahr wieder jede bewirbt, die durch die rosarote Brille ihrer Eltern ein hübsches Mädchen ist.
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