Tatort "Das Gespenst": Mit Kommissarin Lindholm in der Wanne
VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 16.03.2009 - 08:39Düsseldorf (RPO). Je größer die Räder werden, die Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm zu drehen versucht, umso komplexer werden die Folgen mit Maria Furtwängler. „Das Gespenst“ bot schwer verdauliche Krimi-Kost, dafür einen pikanten Besuch in der Badewanne der Kommissarin.
Im Fall „Salzleiche“ verhob sich Lindholm beinah an der Plutonium-Mafia und dem Bundesnachrichtendienst. „Das Gespenst“ verstrickte die Kommissarin aus Hannover heillos in Machenschaften von Verfassungsschutz und ein geplantes Attentat auf einen in Deutschland weilenden Diktator. Diesmal bekam das Drehbuch (Autor Stefan Dähnert) die Kurve nicht.
Gerne erinnert man sich nach dem zweiten Tatort dieses Strickmusters an die Zeiten, in denen Lindholm in der Lüneburger Provinz mit viel psycholgischem Geschick und Einfühlungsvermögen ihre Fälle löste. Das war ihr Markenzeichen. Das machte sie unverwechselbar und herausragend. Im neuen Umfeld, im Dickicht der großen Verbrecher- und Staatsschutz-Organisationen tut man der Kommissarin keinen Gefallen.
Ausgerechnet Lindholms Jugendfreundin Manu Seehausen (Karoline Eichhorn) scheint Mitglied einer unfassbar amateurhaften Terrorbande zu sein, die den Diktator im Visier hat. Lindholm und Manu sind nicht nur am gleichen Tag geboren und zur selben Schule gegangen. Die Kommissarin hat Seehausen auch die Liebe ihres Lebens ausgespannt, ohne mit ihm im Bett gewesen zu sein.
Der beste Moment in der Badewanne
Als beide irgendwann gemeinsam in einer Badewanne sitzen und Manu ihrer Ex-Freundin die Maske vom Gesicht reisst, erlebt die Folge eine fesselnde Dichte und ihren darstellerisch besten Moment. Da sät Dähnert den Samen, der das spätere Handeln der Kommissarin beeinflusst.
Doch die Story ist zu schwach und das Ende zu früh vorhersehbar. Manu steht im Verdacht, den Polizisten erschossen zu haben, als der Diktator auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen landet. Dann zieht das Landesamt für Verfassungsschutz die Ermittlungen an sich. Das weckt den Ehrgeiz von Lindholm.
Sie stöbert in der Vergangenheit der ehemaligen Freundin, die für Hilfsorganisationen in Afrika gearbeitet hat, bevor sie dort entführt und vom Auswärtigen Amt freigekauft wurde. Als sie trotz des dringenden Tatverdachts plötzlich wieder auf freiem Fuß ist, dämmert Lindholm, dass Manu gezielt in das Terrortrio eingeschleust wurde.
Alles gerät außer Kontrolle
Als die ehemalige Freundin die Fronten wechselt, gerät alles außer Kontrolle. Gleichzeitig nehmen die Dinge einen konsequenten Verlauf. Lindholms großer Gegenspieler, der Leiter des Verfassungschutzes, wird so frühzeitig als Täter enttarnt, dass die Chance auf einen Überraschungseffekt verspielt wird.
Klaus Ritter (Hans Czypionka) hatte sich bereits verdächtig gemacht, als er - für jedermann ersichtlich - die Aufzeichnungen der Überwachungskameras am Flughafen löschte. Später geht der böse Mann vom Verfassungsschutz über Leichen, um die Terroristen unschädlich zu machen. Dafür hat er nicht nur den Tod des Polizisten in Kauf genommen sowie Wohnungen und Polizeibüros verwanzt. Er verhindert auch nicht einen spektakulären Mordanschlag der Terroristen auf die gefesselte Lindholm mit Benzinkanister und Tauchsieder. Dabei bleibt bis zum Schluss ein Rätsel, woher Ritter wusste, wie Lindholm in die Schrebergarten-Siedlung kam. Denn ausgerechnet diesen Informanten hatte er nicht abgehört.
Langeweile macht sich breit
Frühzeitig macht sich Langeweile breit. Viele kleine Spannungs-Häppchen verpuffen ohne große Geschichte. Dass Lindholms Freundin das Ende nicht überleben würde, steht spätestens nach ihrem blindwütigen Mordanschlag auf Lindholm auf jeder Rechnung.
Während Furtwängler-Tatorte für gewöhnlich auf Handlung und Psychologie statt auf Blutvergießen setzen, benötigte „Das Gespenst“ vergleichsweise viel Gewalt und aufgesetzte Showeffekte. Das sagt alles.
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