Intendantenwechsel beim WDR: Monika Piel kommt, Fritz Pleitgen geht - in die "Lindenstraße"
zuletzt aktualisiert: 26.03.2007 - 13:29Köln (RPO). Am Montag fand bei der größten deutschen Rundfunkanstalt WDR der lang angekündigte Stabwechsel statt. Monika Piel übernahm als erste Frau die übernahm sie die Verantwortung für den WDR.
Drei Monate früher als geplant räumt Amtsvorgänger Fritz Pleitgen den Chefsessel, um sich für die zukünftige europäische Kulturhauptstadt Essen zu engagieren.
An Vorschlusslorbeeren für die neue WDR-Intendantin hat es nicht gemangelt. Nun aber wird es ernst für Monika Piel. Für ihn ist die Berufung von Piel auch eine Bestätigung seiner Personalpolitik. Wie keiner seiner Vorgänger hatte Pleitgen Frauen in Führungspositionen geholt.
Gut möglich, dass die langjährige Hörfunkdirektorin im vergangenen Herbst zunächst krasse Außenseiterin bei der Bewerbung um das WDR-Intendantenamt war. Doch schließlich wusste der WDR-Rundfunkrat wohl genau, was er an der 55-jährigen Bensbergerin hat. In ihrer mittlerweile über drei Jahrzehnte währenden journalistischen Karriere ist Piel stets dem WDR verbunden geblieben.
Kontinuität für die Mitarbeiter
Im Vergleich zu anderen Kandidaten war ihr das mitunter als Manko vorgehalten worden. Doch in Zeiten, in denen der gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk erneut auf dem Prüfstand steht, war die Wahl von Monika Piel ein Stück Kontinuität für die rund 4400 WDR-Mitarbeiter.
Im Gegensatz zu Fritz Pleitgen, der sich gerne auch ungefragt zu medien- und gesellschaftspolitischen Themen äußerte, hat Piel auf diesem Feld bislang kaum Akzente gesetzt. Das musste sie in ihren bisherigen Funktionen aber auch nicht. Pleitgen hat stets auch vehement gegen zu starken parteipolitischen Einfluss auf sein Haus gefochten. Ob es Piel gelingt, diese Linie ihrer Amtsvorgänger fortzusetzen, bleibt abzuwarten.
ARD-intern machte sie sich jedenfalls schon kurz nach der Wahl bemerkbar. Deutlich zeigte sie ihr Unbehagen über die letztlich gescheiterten Bemühungen, Publikumsliebling Günther Jauch für die große ARD-Politiktalkshow am Sonntag zu gewinnen. "Entweder ist einer bei uns oder bei den Kommerziellen", erklärte sie unmissverständlich.
Spannung an der Spitze
Auf ihr offizielles Debüt in der Runde der Intendanten kann man also gespannt sein. Mit dem aktuellen ARD-Vorsitzenden, SR-Chef Fritz Raff, sieht sich Piel zudem mit einem Mann konfrontiert, der pikanterweise zeitweise für das Amt im Gespräch war, das sie jetzt ausübt.
Dass die Ehefrau von Moderator Roger Handt den neuen Aufgaben fachlich gewachsen ist, bezweifelt innerhalb und außerhalb des WDR kaum jemand. Souverän organisierte sie die Hörfunkberichterstattung vom Weltjugendtag in Köln und von der Fußball-WM, wo der WDR jeweils für die ARD federführend war. Dabei fertigte sie auch die Proteste des Fußball-Nationalspielers Lukas Podolski ab, der der ARD wegen einer WDR-Radiosatire mit einem Interview-Boykott drohte. Zuvor hatte sie bereits das viel beachtete "Funkhaus Europa" mit Hörfunkprogrammen in 18 Sprachen an den Start gebracht.
Piel, die sich selbst einen Hang zur Ungeduld attestiert, gilt im Sender als dialogorientierte, aber auch konsequente Chefin. Und doch sind einige Fragen offen. Die neue Intendantin verwaltet ein Jahresbudget von 1,3 Milliarden Euro. Wo wird sie die Akzente setzen? Auch gilt sie als gestandene Hörfunk-Frau und muss nun das schwächelnde WDR-Fernsehen neu beleben. An Herausforderungen für Monika Piel mangelt es also nicht.
Pleitgen erlaubt sich mit "Lindenstraßen"-Auftritt Spaß zum Schluss
Pünktlich zum Abschied als Intendant des WDR wird sich Fritz Pleitgen einen kleinen Spaß erlauben und in der Kultserie "Lindenstraße" auftreten. Im Reisebüro von Helga Beimer und Erich Schiller bucht er dann eine Weltreise, die ihn zu seinen bisherigen beruflichen Stationen rund um die Welt führen wird.
Der Auftritt Pleitgens in der Serie dauert nur knapp 40 Sekunden, die Szene selbst wird erst am Mittwoch in Köln-Bocklemünd gedreht und dann in die bereits fertige Episode 1113 eingefügt. Insgesamt muss der TV-Mann laut "Lindenstraßen"-Sprecher Oliver Lange sieben Sätze sprechen - mehr als Marjan und Mockridge in der Szene. "Wir sind aber absolut sicher, dass Pleitgen wie eine 1 spielen wird", sagte Lange.
Die Idee für das Abschiedsgeschenk stammte ihm zufolge von "Lindenstraßen"-Erfinder Hans W. Geißendörfer, mit Pleitgen zusammen entstand dann die Idee für die Szene. Das Angebot soll auch Dank für Pleitgens Unterstützung der "Lindenstraße" sein.
Prominente Vorgänger
Pleitgen ist nicht der einzige Prominente, der im Reisebüro der "Lindenstraße" bucht. Der frühere "Dallas"-Star Larry Hagman machte bei Mutter Beimer zum 20. Geburtstag der Serie im Dezember 2005 seinen Flug "back home" nach Dallas klar. Außerdem traten als Prominente Hape Kerkeling und Anke Engelke im März 2003 in Folge 900 als Moderatoren eines Tanzwettbewerbs auf, und Hella von Sinnen spielte sich in einer Folge selbst.
Auch Pleitgens Vorgänger Friedrich Nowottny wirkte einmal in der "Lindenstraße" mit. Allerdings sei er nur in einer Szene durchs Bild gelaufen, sagte Lang. Pleitgen selbst hatte bereits in dem Jubiläums-Spezial-Film "Entführung aus der Lindenstraße" 1995 als Sohn von Else Kling (Annemarie Wendl) mitgewirkt. In einer regulären Folge ist er nun das erste Mal zu sehen.
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