Heute im ZDF: Neuer Wedel-Film: Der verwirrte Patient
VON GUIDO DIESING - zuletzt aktualisiert: 26.02.2007 - 09:29Düsseldorf (RPO). In Dieter Wedels Krankenhaus-Satire „Mein alter Freund Fritz“ spielt Ulrich Tukur einen arroganten Chefarzt, der plötzlich Geister sieht. Veronica Ferres ist seine Ehefrau. Beide haben erstmals für den Erfolgsregisseur gearbeitet.
„Auch das noch!“, wird so mancher stöhnen. Nach Mehrteilern über Korruption, das Rotlichtmilieu, den Tourismus, Wirtschaftskriminalität und zuletzt das deutsche Scheidungsrecht knöpft sich Regisseur Dieter Wedel nun das Gesundheitswesen vor. Für seinen Film "Mein alter Freund Fritz" recherchierte er in Kliniken, sprach mit Ärzten und Pflegern und war entsetzt über ihre Arbeitsbedingungen: "Wegen des Kostendrucks sind Ärzte zur Fließbandarbeit gezwungen.
Sie verbringen mehr Zeit mit Verwaltungsaufgaben als am Krankenbett. Andererseits werden ständig unnötige Operationen durchgeführt, damit die teuren Apparate besser ausgelastet sind."
Vor dem Hintergrund des Krankenhaus-Alltags erzählt der Film eine Geschichte über Freundschaft, Familie, Karriere und Tod, in deren Mittelpunkt Chefarzt Harry Seidel (Ulrich Tukur) steht. Das Leben des erfolgreichen Arztes nimmt nach einem Autounfall eine überraschende Wendung, als plötzlich sein Freund Fritz (Maximilian Brückner) auftaucht und ihn fortan begleitet. Das Merkwürdige daran: Fritz ist vor zwanzig Jahren gestorben. Ob der ungewöhnliche Begleiter ein Geist ist oder Seidels Phantasie entspringt, lässt der Film offen.
Da aber nur der Arzt ihn sehen und hören kann, sorgt sein Auftauchen für einige Verwirrung und nährt Zweifel an Seidels Zurechnungsfähigkeit. Zumal er, konfrontiert mit alten Idealen und verdrängter Schuld, beginnt, sich zu verändern. Unter den vielen Vorbildern, die Wedel oft und gerne zitiert und kopiert, scheint er diesmal besonders die Nähe zu Woody Allen zu suchen. Einmal mehr gelingt es ihm, ein anspruchsvolles Thema mit Humor zu verbinden und als Unterhaltung zu verpacken.
Mitglieder des Wedel-Clan
Und wieder einmal sind viele große Namen im Spiel. Zwar fehlen einige Darsteller, die über viele Jahre zum so genannten Wedel-Clan gehörten, doch dafür gibt es berühmte Neuzugänge. Mit Ulrich Tukur und Veronica Ferres sind Stars zu sehen, die zuvor noch nie mit ihm gearbeitet hatten.
Wedel hält Tukur gar für einen der besten Schauspieler, mit denen er je gedreht hat: „Er kann die Traurigkeit hinter dem Lächeln spielen und das Schweigen zwischen den Sätzen beredt machen.“ Nun plant er bereits weitere Projekte mit Tukur und Ferres. Zwei Mitglieder für eine neue Wedel-Familie also? Der Regisseur hat nichts gegen neues Personal einzuwenden: „Schauspieler sind ja eine leicht verderbliche Ware. Sie verändern sich. Wer vor fünf Jahren noch als Liebhaber in Frage kam, rutscht plötzlich in die Väterrollen hinein. Schon deshalb müssen immer wieder neue hinzukommen.“
An Ideen für neue Filme mangelt es ihm nicht. Der letzte Staatszirkus der DDR reizt ihn als Thema ebenso wie die Skandale rund um VW. Nur eins will er nicht: sich an den Wünschen des Publikums orientieren. „Es wird zu oft danach gefragt, was die Zuschauer wollen. Als Regisseur muss ich mich stattdessen fragen: „Was will ich ihnen erzählen?“
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