Castingshow “The Voice of Germany”: Nicht immer siegt die beste Stimme
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012 - 09:18Düsseldorf (RPO). Mic Donet war sichtlich geschockt. Erst hatte ihm sein Coach Xavier Naidoo bescheinigt, dass er ein „Grammy würdiges“ Album besungen hätte – und dann schickt er ihn aus dem Rennen. Da half es auch nichts, dass die Zuschauer dem Soulsänger die meisten Stimmen gaben. Im Finale stehen nun Max Giesinger, Michael Schulte, Kim Sanders und Ivy Quianoo.
Im Halbfinale der Sat1/Prosieben-Castingshow „The Voice of Germany“ traten die jeweils zwei verbliebenen Kandidaten jedes Teams gegeneinander an – diesmal mit eigenen Songs. Anschließend lieferten sie sich noch ein Battle untereinander: Gemeinsam sangen sie eine bekannte Nummer – und dabei traten die Unterschiede, aber auch die Entwicklungen der einzelnen besonders deutlich zu Tage. Da machte das Zuhören Spaß. Die Coaches mussten anschließend ihre Kandidaten bewerten – mit Prozenten. Diese bildeten dann mit den Stimmen des Publikums das Gesamtergebnis. Und so gab es auch die nötige Portion Spannung.
Zuschauer wählten den stillen Mic Donet
Es war das letzte Battle der Kandidaten, das Team von Xavier Naidoo, das wohl die größte Überraschung bereit hielt: Ein sichtlich angespannter Max Giesinger sang zuvor sein eigenes Stück „Dach der Welt“, rockig, rau, melancholisch. Eine solide Leistung des smarten 23-Jährigen. Dann kam Mic Donet – und schmetterte seinen Song „Loosing you“ - eine ausgefeilte Nummer. Doch diesmal war der erfahrene Sänger nicht ganz so souverän und zeigte leichte Schwächen. Vielleicht hatte er auch ein Problem mit seinem Ohrhöhrer, den er immer wieder raus nahm.
Beim Battle, als beide „Bitter Sweet Symphony“ sangen, zeigte Donet wieder seine Qualitäten. Doch obwohl sein Coach Naidoo erklärte, Donets unveröffentlichtes Album sei eines der besten, das er in den vergangenen zehn Jahren gehört hat, gab er ihm nur 35 Prozent – und dem bisherigen Publikumsliebling Max 65. Ganz anders als die Zuschauer: Sie zogen diesmal den stillen Mic vor und wollten ihn mit 56 Prozent wiedersehen. Im Finale wird nun aber Max singen.
Es ist mutig, eine Unterhaltungsshow zu einem großen Teil mit Liedern zu bestreiten, die noch niemand kennt. Aber es hat bestens funktioniert. Wohl auch, weil jeder der verbliebenen acht Kandidaten seinem Stil treu geblieben ist. Sharron Levy rockte mit „Drowning“ einer eingängigen Nummer die Bühne, Ole mit dem temporeichen Song „Butterfly“. Beide bekamen von den Jurymitgliedern von „The BossHoss“ Komplimente, weil die Lieder ihnen wirklich auf den Leib geschneidert waren. Jasmin Graf sang ein melancholisches Stück auf deutsch – endlich einmal ohne den hauch von Schlager in ihrer Stimme. Doch sie blieb damit hinter ihren gesanglichen Möglichkeiten, fand die Jury. Für die drei hat es mit dem Einzug ins Finale nicht geklappt.
Nach dem Finale: Karriere einmal nicht ausgeschlossen
Ivy Quainoo setzte sich gegen Ole mit einem Song in bester „James-Band-Manier durch – 77 Prozent der Anrufer wollten sie wieder sehen. Und auch die Coaches von „BossHoss“ gaben ihr den Vorzug. Michael Schulte, der schüchterne Youtube-Star, überzeugte mit Gitarre, sanfter Stimme und „Carry me home“. Kim Sanders hatte mit einer Ballade wieder das Publikum hinter sich – wenn auch nur knapp vor Sharron Lev.
Wieder wohltuend anders als bei den üblichen Castingshows: Die ausgeschiedenen Sänger boten keine tränenreichen Zusammenbrüche und am Ende gab es wieder Gruppenkuscheln. Das Finale ist am kommenden Freitag – dann wird vielleicht nicht die beste Stimme Deutschlands gewinnen, aber auf jeden Fall ein sehr guter Sänger oder eine sehr gute Sängerin mit eigenem Profil. So könnte es dann auch mit einer wirklichen Karriere im Musikgeschäft klappen. Davon können die Gewinner zahlreicher anderer Castingshows ja nur träumen.
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