"Wetten, dass?" in Erfurt: Nicht mal Paris konnte Gottschalk retten
VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 30.03.2008 - 08:23Erfurt (RPO). Paris Hilton hat Thomas Gottschalk in seiner Paradedisziplin geschlagen: Viel reden und dabei wenig sagen. Das kann die Hotelerbin genauso gut wie der Moderator, doch sie ist dabei wesentlich charmanter. Wer am Samstagabend "Wetten, dass..?" einschaltete, erlebte einen ziemlich quälenden Fernsehabend - und daran war nicht mal die Hilton schuld.
Es waren die Wetten, die für die wenigen erheiternden Momente in der Sendung sorgten - und die Langeweile auf Gottschalks Sofa wenigstens ab und zu unterbrachen. Der Zuschauer erlebte die eine oder andere Überraschung: Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass es möglich ist, Getränkedosen zwischen den Schulterblättern zu zerdrücken oder handelsübliche Besen ohne Stütze aufrecht hinzustellen? Heimlicher Star der Sendung war aber Sechstklässler Meiko, der Dartpfeile an eine Wand warf, anschließend vor Anstrengung zitternd und ächzend an den Pfeilen hochkletterte und mit letzter Kraft in schwindelerregender Höhe ein Ei einsammelte.
Was die Zuschauer sonst zu sehen bekamen, lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: gähnende Langeweile. Die deutschen Biathletinnen erzählten, wie ihnen ihr Wettkampfoutfit gefällt (gut), die Ochsenknecht-Söhne Jimi Blue und Wilson Gonzales verrieten, dass auch ihr Vater manchmal nervt. Und Comedian Kurt Krömer hatte seine Sternstunde leider ausgerechnet gerade nicht bei seinem großen "Wetten, dass..?"-Auftritt.
Schon nach seiner letzten Sendung hatte Gottschalk Kritik für seine wenig hochkarätigen Gäste einstecken müssen. Diesmal war es ähnlich. Es gibt Moderatoren, die auch mit Prominenten mit geringem Glamour-Faktor interessante Gespräche führen können. Gottschalk kann das nicht. Spätestens, seit das Gäste-Sofa immer häufiger nicht hochkarätig besetzt ist, wird klar: "Wetten, dass..?" lebte in seinen besseren Zeiten einzig und allein davon, dass hier die ganz großen Weltstars auf der Couch saßen.
Diesmal kam immerhin Paris Hilton. Doch auch die konnte die Sendung nicht retten - weil ihr Verhalten zu hundert Prozent vorhersehbar war. Wer einen Auftritt der Hotelerbin gesehen hat, weiß, was ihn erwartet: Paris ist immer total glücklich, da sein zu können, wo sie gerade ist. Und sie ist immer total erfreut, denjenigen kennenzulernen, der gerade vor ihr steht. Und wenn sie diese Sätze heruntergespult hat, bestreitet sie den Rest ihres Auftritts hauptsächlich mit Lächeln.
Blieben also die Wetten, die diesmal tatsächlich erstaunlich unterhaltsam waren. Doch spätestens, als um 22.50 Uhr (20 Minuten nach Ende der regulären Sendezeit) Alex aus Liechtenstein Fußbälle durch Ablecken erkennen wollte, reichte es dann auch damit.
"Ich höre erst auf, wenn ich solche Umfragewerte hab wie die SPD", drohte Gottschalk am Anfang der Sendung - und es klang etwas gequält. Mit dem Aufhören scheint der chronisch überziehende Moderator ein Problem zu haben. Denn Spaß an seinem Job ist Gottschalk längst nicht mehr anzumerken. Und damit dürfte auch "Wetten, dass?" nicht mehr zu retten sein. Für einen Neuanfang ohne Gottschalk und damit ohne Nostalgie-Faktor ist das Konzept der Sendung wohl zu sehr von gestern.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








