ZDF-Dokudrama: Papst Johannes Paul II. in Görlitz
zuletzt aktualisiert: 24.01.2006 - 13:14Görlitz (rpo). TV-Dramen mit Dokumentationscharakter sind derzeit schwer angesagt. Und so widmet sich das ZDF dem im vergangenen Jahr verstorbenen Papst Johannes Paul II. und dessen Geheimnissen. Gedreht wird an einem Ort, an dem der echte Papst wohl niemals war, in Görlitz.
Papst Johannes Paul II. sitzt Ali Agca in der Zelle gegenüber. Der Türke hat den Heiligen Vater am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom durch drei Schüsse schwer verletzt. Gut zwei Jahre nach dem Anschlag besucht der Papst seinen Attentäter im Gefängnis, um ihm zu vergeben.
Die Szene spielt mitten im kleinen Saal der Görlitzer Stadthalle, mit Michael Mendl in der Rolle von Johannes Paul. Für das ZDF entsteht gerade ein Dokudrama über den im April 2005 verstorbenen Papst, und neben Rom ist die Stadt an der deutsch-polnischen Grenze der Ort, an dem "Karol Wojtyla - Geheimnisse eines Papstes" gedreht wird.
Seit 19. Januar fängt das Team um Regisseur Gero von Boehm Szenen für den Film in der östlichsten Stadt Deutschlands ein. Schon im Dezember begannen Ausstatter, Szenenbildner und Requisiteure mit ihrer Arbeit in der Stadthalle, um perfekte Kulissen zu schaffen. Das denkmalgeschützte Haus ist seit Ende 2004 geschlossen, seither finden dort keine Veranstaltungen mehr statt. Dafür gleicht die Stadthalle nun einem Filmstudio.
Zahnpasta und Steckdosen aus Italien
Wenige Schritte von Ali Agcas Haftraum liegt das spartanische Pensionszimmer, in dem der Attentäter die Nacht zum 13. Mai 1981 verbrachte. Damit alles authentisch wirkt, wurden für die Einrichtung sogar Zahnpasta und Steckdosen aus Italien besorgt, erzählt Cristina Trebbi von der Interscience Film GmbH. Die Firma produziert den Papst-Film im Auftrag des ZDF.
Das ehemalige Restaurant der Stadthalle hat sich in die Gemelli-Klinik verwandelt, in die der Papst nach dem Attentat eingeliefert wurde. Gleich nebenan, an einem wuchtigen Tisch mit breiten Polstersesseln, tagt der sowjetische Geheimdienst KGB im Kreml. Er ist alarmiert, nachdem ein Pole 1978 Papst geworden ist. Auch ein Sitzungssaal des Politbüros in Warschau, die Privatgemächer von Johannes Paul im Vatikan und das Konklave in der Sixtinischen Kapelle wurden in der Görlitzer Stadthalle nachgebaut.
Gero von Boehm will in seinem 60-minütigen Streifen die Geschichte des Papstes aus Polen erzählen. Er drehte vor zwei Jahren einen Film über den Vatikan und hatte damals bereits die Idee für die Dokumentation über Johannes Paul II. Schwerpunkt im Film ist die Zeit zwischen 1978 und 1989.
Archivmaterial und Zeitzeugenberichte
Mit dokumentarischem Archivmaterial und Zeitzeugenberichten verknüpft Boehm die inszenierte Handlung. Mario Adorf spielt den Gärtner Peppino Mancuso, dem der Papst immer wieder in den vatikanischen Gärten begegnet. Eine Figur, die "die richtigen Fragen stellt", sagt der Regisseur. An Originalschauplätzen im Vatikan und in Rom wurde bereits gedreht, bevor das Filmteam nach Görlitz kam.
Schon zum dritten Mal arbeitet Boehm an der Neiße. Im vergangenen Jahr entstanden seine Filme über Einstein und Beethoven in der Stadt, die kurze Wege und eine perfekte Kulisse biete, wie der Regisseur findet.
Am Mittwoch dreht das 35-köpfige Filmteam in den Königshainer Bergen. Devid Striesow schlüpft dann in die Rolle des jungen Karol Wojtyla, der während des Zweiten Weltkrieges zur Zwangsarbeit in einem Steinbruch verpflichtet wurde. Die Dreharbeiten in Görlitz dauern noch bis Freitag - mit 14 Schauspielern und 94 Statisten. Wojtylas Jugendfreundin Halina wird von Cosma Shiva Hagen gespielt. Anlässlich des ersten Todestages von Johannes Paul II. soll die Produktion am 30. März im Abendprogramm des ZDF ausgestrahlt werden.
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