Adoptionsdrama mit Jutta Speidel: Plötzlich Mutter und Tochter
VON TILMANN P. GANGLOFF UND VERENA BRETZ - zuletzt aktualisiert: 14.03.2007 - 14:08Düsseldorf (RPO). In dem Adoptionsdrama „Meine Mutter tanzend“ sucht die dunkelhäutige Stella ihre leibliche Mutter. Die heißt Beate, ist weiß, schroff und schlampig. Ein Schock. Jutta Speidel spielt Beate und sagt: „Zum Glück bin ich nicht eitel.“
„Sie ist schrecklich. Aber sie ist meine Mutter.“ Bis Stella zu dieser Erkenntnis gelangt, hat sie die trotzige Ablehnung und das peinliche Auftreten ihrer Mutter Beate bereits zur Genüge erlebt. Trotzdem kann sie von der schnoddrigen Kettenraucherin nicht lassen. Dabei hatte die Dame vom Sozialamt sie ausdrücklich gewarnt: „Das kann ein Schock sein.“
„Meine Mutter tanzend“ heißt das Adoptionsdrama im Ersten, in dem Dennenesch Zoudé die dunkelhäutige Stella spielt, die sich kurz vor ihrer Heirat mit dem wohlhabenden Anwalt Paul auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter macht. Der erste Kontakt? Eine Katastrophe: Beate ist weiß, sitzt im Supermarkt um die Ecke an der Kasse, trinkt in der Pause Piccolo aus der Flasche und wirkt - höflich formuliert - etwas verlebt. Eine Paraderolle für Jutta Speidel. Obwohl man das nicht vermutet hätte.
„Zum Glück bin ich nicht eitel“, sagt die Schauspielerin, die ihre Figur bis ins Detail mitentwickelt hat. „Es reizt mich, im Rahmen einer Rolle bis an die Grenze zu gehen. Ich habe mir zwei Kilo angefressen, um die nötigen Speckrollen zu bekommen, und ganz bewusst möglichst enge Kleidung ausgesucht.“
Ihr eigener Sohn nennt Beate eine Schlampe. Aber Jutta Speidel schafft es, den Zuschauer davon zu überzeugen, dass das falsch ist. Denn Beate ist eine Frau mit Herz, Bauchgefühl und loser Zunge, die ihrer vermeintlich perfekten, disziplinierten Tochter auch mal die Augen öffnet. Auf ihre ganz eigene Art: „In deinem Alter musst Du doch nicht rumlaufen wie Sabine Christiansen!“
Dass ihre Figur eine gewisse Würde bewahrt, war der 52-jährigen Schauspielerin wichtig. „Jeder Mensch, ganz gleich aus welchem Milieu er stammt oder wie tief er gesunken ist, trägt eine Würde in sich. Bei meiner Arbeit mit obdachlosen Müttern erlebe ich oft, dass diese Frauen ihre Würde zwar verloren haben, sie aber auch innerhalb weniger Monate wiederfinden.“
Deshalb macht Speidel aus ihrer Figur keine Witzfigur. Obwohl Vieles an Beate ziemlich witzig ist. Allein der Gang: x-beinig, wackelig-staksig und gleichzeitig schlurfend. „Diese Gangart habe ich für die Rolle erfunden“, erklärt Jutta Speidel. „Der Regisseur war im ersten Moment erschrocken, und ich hab’ gesagt: ,Lass mich, Du wirst nachher sehen, es ist perfekt.’ Am Schluss haben sie alle diese Gangart nachgemacht und fanden sie wahnsinnig komisch.“
Aber die Schauspielerin, die sich heute schon auf die „großen Altersrollen“ freut, hat nicht nur ihre eigenen Ideen, sondern auch ihre eigenen Klamotten mit an den Set gebracht. „Das rote Korsett, das Beate trägt, als sie ,Big Spender’ singt, das stammt aus meinem Kleiderschrank“, sagt Speidel.
Jutta Speidel ist auch nach ihrem Ausstieg aus der Erfolgsserie „Um Himmels Willen“ hervorragend im Geschäft. Die Erklärung liefert sie selbst: „Ich denke, ich habe in 30 Jahren, die ich nun schon in der Branche bin, immer versucht, authentische Arbeit abzuliefern. Und das haben die Zuschauer honoriert. Jetzt müssen die Produzenten nur noch merken, dass die Speidel mehr zu bieten hat als das Klischee vom guten Kumpel.“
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