Quotierung soll kulturelle Vielfalt und Kunst fördern: Politiker fordern mehr deutsche Songs im Radio
zuletzt aktualisiert: 19.09.2004 - 15:31Hamburg (rpo). Politiker aller Parteien fordern mehr Songs von Herbert Grönemeyer und Marianne Rosenberg im Radio. Sie wollen eine Quote für deutsche Musiktitel schaffen. Dabei gehe es nicht um "Deutschtümelei" oder Hilfe erfolgloser Künstler.
Die Befürworter orientieren sich am Beispiel Frankreichs, wo seit 1994 eine verbindliche Quote von 40 Prozent französischsprachiger Titel in den Radioprogrammen vorgeschrieben ist. Derartige Initiativen waren in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder im Sande verlaufen.
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete und Ex-Parteichefin Claudia Roth, die Anfang der 80er Jahre Managerin der Rockband "Ton Steine Scherben" war, sagte, die reale Existenzsituation nationaler Künstler sei besorgniserregend. Bei der Quotierung gehe es um die Förderung von kultureller Vielfalt und Kunst, nicht um die Unterstützung erfolgloser Künstler oder um "Deutschtümelei".
Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne) begründete ihre Unterstützung mit einem "musikalischen Einheitsbrei im Radio". "Wir brauchen eine gesetzliche Regelung wie in Frankreich. Es muss eine Quote für Künstler aus Deutschland geben und zugleich eine Quote, die einen Anteil an Neuvorstellungen festschreibt", sagte Vollmer, die auch kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion ist.
Vollmer betonte zudem, dass bei der von den Künstlern angeregten Initiative auch viele junge Interpreten wie Inga Humpe, Max Herre, Till Brönner und Seeed dabei seien. Es gehe "nach dem Einbrechen des gesamten deutschsprachigen Marktes in der Musikindustrie um die Gefahren, die der Kulturszene hier drohen", aber auch "um Chancengleichheit, Fairness und Existenzbedingungen von Künstlern". Auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) unterstützt "eine Quote für deutsche Rock- und Popmusik im öffentlich-rechtlichen Radio".
Statt gleich ein Gesetz für eine Musikquote zu verabschieden, setzen einige Politiker auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Rundfunkanstalten. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte, er habe schon vor über einem Jahr keine nationale, sondern eine Quote für deutsche und europäische Popmusik im Radioprogramm angeregt. "Es muss ja nicht gleich ein Gesetz sein, es kann ja auch freiwillig sein, damit unser musikalischer Nachwuchs eine Chance bekommt."
Kultur-Staatsministerin Christina Weiss (parteilos) und CSU-Generalsekretär Markus Söder sprachen sich ebenfalls für eine Selbstverpflichtung der Sender aus. Söder will sich für einen "Runden Tisch" mit den Verantwortlichen aus der Rock- und Popszene sowie den Programmmachern der öffentlich-rechtlichen Sender einsetzen.
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