14 Tote im "Tatort": Politiker: Mehr Jugendschutz in ARD und ZDF
zuletzt aktualisiert: 04.04.2004 - 16:33Hamburg (rpo). Die am Sonntagabend ausgestrahlte Folge des "Tatorts" in der ARD sorgt bereits vorab für Wirbel. Wegen der 14 Toten allein in dieser Folge fordern Unions-Politiker schärfere Jugendschutzbestimmungen für die Öffentlich-Rechtlichen.
In der "Tatort"-Folge "Abschaum" sterben laut "Bild am Sonntag" insgesamt 14 Menschen, in der Schlussszene gibt es ein regelrechtes Massaker. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler sagte der Zeitung, es sei ein Skandal, dass im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt werden könne, was im Privatfernsehen verboten wäre.
Während die Privatsender von der unabhängigen Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) auf die Einhaltung von Jugendschutzbestimmungen überwacht würden, seien bei ARD und ZDF die jeweiligen Rundfunkräte zuständig, berichtete das Blatt. Diese Gremien tagten nur selten und geheim und erließen lediglich Leitlinien. FSF-Chef Joachim von Gottberg sagte der Zeitung: "Es gab schon mehrfach 'Tatort'-Sendungen, die wir verboten hätten, wenn ein Privatsender sie vor 22.00 Uhr gezeigt hätte." Bis zu dem Zeitpunkt müsse das Programm laut Gesetz für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren uneingeschränkt geeignet sein.
Der für den jüngsten "Tatort" zuständige Rundfunkrat, der Bremer CDU-Bundestagsabgeordnete Bernd Neumann, sagte dem Blatt: "Die Öffentlich-Rechtlichen tragen in Sachen Gewaltdarstellung einen Heiligenschein, den sie nicht verdient haben". Beim "Tatort" werde deutlich, dass es einen schleichenden Prozess der zunehmenden Gewaltdarstellung gebe. Der FDP-Medienexperte Hans-Joachim Otto forderte, dass für alle Sender gleiche Bedingungen gelten. Neumann wies allerdings darauf hin, dass entsprechende Änderungen bereits nach dem Erfurter Schulmassaker im Jahr 2002 geplant waren, aber am massiven Widerstand von ARD und ZDF gescheitert seien.
"Tatort"-Kommissarin Sabine Postel verteidigte dagegen die Sendung. "Tatort" sei ein Krimi und eindeutig kein Familienprogramm. Gerade in dem neuen Fall sei die Schlussszene so künstlerisch verfremdet dargestellt, dass sie nicht zu brutal für diese Uhrzeit sei, sagte sie der "Bild am Sonntag".
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