Streit um Bundesliga-Rechte: Premiere und Telekom läuten Zeitalter des Internet-TV ein
zuletzt aktualisiert: 19.05.2006 - 17:54München (rpo). Der Streit um die Rechte an der Übertragung der Bundesliga im Fernsehen könnte der Start für ein völlig neues Fernsehzeitalter sein: das Internet-TV. Denn durch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom kann der Bezahlsender Premiere Fußball über Breitbandnetz live ausstrahlen.
Auf dem deutschen Fernsehmarkt gibt es eine neue Allianz, die ganz neue Möglichkeiten des Fernsehens aufzeigen will: Premiere-Chef Georg Kofler und Telekom-Vorstandsmitglied Walter Raizner kündigten an, dass Premiere für die Telekom ab August alle Spiele der 1. und 2. Bundesliga ausstrahlen werde. Die Telekom habe entsprechende Sublizenzrechte für Übertragungen im Internet-Standard an Premiere vergeben. Die Telekom hatte die Rechte für die Internet-Übertragung gekauft.
Damit präsentiert sich die Niederlage von Premiere gegen den Pay-TV-Konkurrenten Arena bei der Vergabe der Fernsehlizenz durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in einem neuen Licht. Dank der Zusammenarbeit mit der Telekom kann Premiere als erstes deutsches TV-Unternehmen die Bundesliga live über Breitbandnetz senden. Laut Telekom wird Premiere entsprechend den vertraglichen Vereinbarungen die Spiele live im IPTV-Standard produzieren und im Internet bereitstellen.
DFL-Sprecher Christian Pfennig erklärte, es sei immer unstrittig gewesen, dass die Telekom wegen einer fehlenden Rundfunklizenz die Dienste eines TV-Senders nutzen müsse. Die geplante Zusammenarbeit im Internet finde ausschließlich über die Breitbandnetze der Telekom statt. Die herkömmliche TV-Verbreitung über Kabel und Satellit sei somit ausgeschlossen, fügte er hinzu.
Bislang nur in zehn deutschen Städten
Der Geschäftsführer des Konkurrenten Arena, Christoph Bellmer, sagte, lediglich eine Minderheit könne die Spiele über das neue VDSL-Netz empfangen. Wer die Bundesliga live über Kabel und Satellit sehen wolle, könne dies nur bei Arena, fügte Mitgeschäftsführer Dejan Jocic hinzu. Das stimmt insofern, als sich das Internet-Angebot zunächst nur an Fans in zehn deutschen Großstädten richtet: Hamburg, Berlin, Hannover, Köln, Düsseldorf, Stuttgart Leipzig, Frankfurt am Main, Nürnberg und München. Damit der Ball rollt, ist nämlich ein Anschluss an das neue Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL-Netz der Telekom notwendig. Bis Mitte 2007 soll das Netz aber auf weitere 40 große Städte ausgedehnt werden.
Wie Raizner, der im Telekom-Vorstand für Breitband/Festnetz zuständig ist, sagte, wird ab August auch das Premiere-Gesamtprogramm aus 28 Kanälen als Internet-Angebot zu sehen sein. Das neue Gesamtangebot werde durch T-Online unter der Bezeichnung "T-Home von T-Online" vermarktet. Über eine Set-Top Box, die an den Fernseher angeschlossen werde, kämen neben der Bundesliga dann eine Vielzahl von Fernsehsendern und zusätzlichen Services auf den TV-Bildschirm. Die Telekom wird das Internet-Fernsehen über ihr neues Hochgeschwindigkeitsnetz senden, das im Sommer freigeschaltet werden soll. Details wollen die Kooperationspartner in den kommenden Wochen nennen.
Die im Mittelwerte-Börsenindex MDAX notierte Premiere-Aktie zählte am Freitag zu den gefragtesten Werten am deutschen Aktienmarkt und stieg zeitweise um mehr als zehn Prozent. Nach dem Verlust der Bundesliga-Rechte Ende 2005 hatte sie rund die Hälfte ihres Werts eingebüßt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







