Programm heißt "embedding": Presse und Soldaten sollen gemeinsam in Irak-Krieg ziehen
zuletzt aktualisiert: 20.02.2003 - 06:48Quantico Marine Corps Basis/Virginia (rpo). Ein Hubschrauber landet auf einer Waldlichtung. Journalisten und Soldaten springen heraus und laufen in die feindliche Schusslinie. Diese Art Grundausbildung für Presseleute, die US-Soldaten auf einem Irak-Feldzug begleiten könnten, hat das Pentagon organisiert.
Washington will den Medien in einem neuen Golfkrieg vollen Zugang zum Kampfgeschehen ermöglichen. Damit solle dann auch der "Propaganda" Saddam Husseins entgegengewirkt werden.
Das Programm heißt "embedding". Medienorganisationen sind erfreut und skeptisch zugleich über das Angebot, ihre Journalisten bei US- Truppen "einzubetten". Manche fragen sich, ob sie nicht Gefahr laufen, als Teil einer Informationskampagne missbraucht oder im kritischen Moment doch zensiert oder behindert zu werden.
Um auch im "Informationskrieg" gute Karten zu haben, hat US- Präsident George W. Bush auch ein "Amt für Globale Kommunikation" eingerichtet. Außerdem gibt es seit dem Afghanistan-Krieg rund um die Uhr geöffnete Büros für Medien in Islamabad, London und Washington. Sie sollen sicherstellen, dass die USA bei der Darstellung von Kampfgeschehen nicht hinterherhinken. Ein Pentagon-Sprecher versicherte: "Wir verpflichten uns, den größtmöglichen Zugang zu gewähren, soweit sich das mit den personellen und taktischen Sicherheitskriterien des Auftrages vereinbaren lasst."
Damit die Journalisten aber kein Klotz am Bein der Soldaten sind, sollten sie zum Beispiel in einem Lager auf einem Militärgelände bei Washington mit dem nötigsten Grundwissen vertraut gemacht werden. Für die rund 60 Teilnehmer hieß dies um 05.00 Uhr Aufstehen, Instruktion über Tretminen, Orientierung nach dem Kompass und Erste Hilfe. Sie lernten auch, sich in weniger als neun Sekunden mit Gasmasken gegen einen ABC-Angriff zu schützen - praktisches Wissen, das die Absolventen in einem mit Tränengas gefüllten Raum nachweisen durften. Sie erlebten einen Übungsangriff mit Platzpatronen und Rauchbomben. Auf dem Schießplatz gab es Waffenkunde.
Mochte der Kurs auch wie ein Abenteuerurlaub anmuten, so war vielen Teilnehmern doch nicht wohl in der Haut. Denn der Probelauf könnte binnen Wochen zur Realität werden. Der Begriff "Einbetten" suggeriert darüber hinaus eine ungewohnt enge Beziehung zwischen Medien und Militär. Um dem Eindruck entgegenzuwirken, mit Soldaten unter einer Decke stecken, weigerten sich Teilnehmer eines Kurses, in Uniform zu marschieren. Dass sie auch im echten Kampf Tarnkleidung ablehnen würden, um ihre Rolle als unabhängige Beobachter zu unterstreichen, mochten viele aber nicht versprechen.
Abgesehen von Sicherheitserwägungen will das US-Militär die Medien nicht behindern, auch dann nicht, wenn sie über zivile Opfer oder versehentliche Bombardements von Moscheen berichten würden. Denn das Pentagon hofft, durch Journalisten an der Seite der Soldaten Glaubwürdigkeit zu gewinnen.
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