Hitler-Biograph: Prominente würdigen verstorbenen Joachim Fest
zuletzt aktualisiert: 12.09.2006 - 11:18Frankfurt/Main (rpo). Der Historiker und Journalist Joachim Fest ist tot. Der ehemalige Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" starb am Montagabend im Alter von 79 Jahren in seinem Haus in Kronberg in Taunus. Seine 1973 erschienene Biografie von Adolf Hitler gilt bis heute als Standardwerk der Geschichtsschreibung.
Fests Darstellung der letzten Tage Hitlers lieferte auch die Vorlage für den mehrfach ausgezeichneten Film "Der Untergang" von Bernd Eichinger aus dem Jahr 2004. Als wichtig wurde auch seine Biografie des NS-Rüstungsministers Albert Speer angesehen. Erst kurz vor seinem Tod hatte Joachim Fest seine Kindheits- und Jugenderinnerungen fertig gestellt, die in der kommenden Woche unter dem Titel "Ich nicht" als Buch erscheinen sollen. Als Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" war er von 1973 bis 1993 für das Feuilleton zuständig. Dabei trat Fest bisweilen auch als scharfer Kritiker linker Intellektueller hervor.
Auch am so genannten Historikerstreit über die Frage der Einzigartigkeit des Nationalsozialismus beteiligte er sich aktiv. In den letzten Wochen trat Fest als Kritiker von Günter Grass hervor, den er wegen seines späten Eingeständnisses der Mitgliedschaft in der Waffen-SS als moralische Instanz schwer beschädigt sah. "Ich würde nicht mal mehr einen Gebrauchtwagen von diesem Mann kaufen", sagte Fest.
Am 8. Dezember 1926 in Berlin-Karlshorst als Sohn eines Oberschulrats geboren, studierte Fest in Freiburg, Frankfurt am Main und Berlin Jura, Geschichte, Soziologie, Germanistik und Kunstgeschichte. Für kurze Zeit war er auch Vorsitzender der Jungen Union in Neukölln und CDU-Abgeordneter in dem Berliner Bezirk. Seine berufliche Karriere begann beim Sender Rias, 1961 ging Fest dann als Chefdramaturg und stellvertretender Hauptabteilungsleiter Fernsehspiel zum Norddeutschen Rundfunk nach Hamburg.
Seit 1963 war er dann Chefredakteur und Hauptabteilungsleiter Zeitgeschehen des NDR und übernahm schließlich von Eugen Kogon die Redaktion des Magazins "Panorama". 1968 ließ Fest sich bei dem Sender beurlauben, um sich ganz seiner literarischen Tätigkeit widmen zu können. Nebenbei arbeitete er in dieser Zeit auch als Berater des "Spiegels".
Zum 1. Dezember trat er schließlich als Leiter des Kulturteils in das Herausgebergremium der "FAZ" ein, wo er als politischer Feuilletonist und konservativer Intellektueller immer wieder klar Stellung bezog. Der Historikerstreit über die Bewertung der Greueltaten in der Nazi-Zeit nahm in dieser Zeit seinen Ausgang in der "Frankfurter Allgemeinen". 1993 wurde Fest schließlich als FAZ-Herausgeber von Frank Schirrmacher abgelöst.
"Hitler - eine Karriere"
Das wohl wichtigste Buch von Joachim Fest mit dem schlichten Titel "Hitler" war der Bestseller der Frankfurter Buchmesse 1973. Die Biografie des NS-Führers wurde im Fernsehen mit dem Film "Versuch eines Porträts" begleitet. 1977 folgte auf der Berlinale die Uraufführung des Films "Hitler - eine Karriere", den Christian Herrendoerfer nach dem Buch drehte und zu dem Fest auch selbst den Kommentar sprach. Der Film blieb in der politischen Diskussion umstritten.
Furore machte auch Fests 1999 erschienenes Buch "Speer. Eine Biographie" über den Chefarchitekten und Rüstungsminister der Nazis. Später zeigte sich der Autor von Speer betrogen, der ihm bewusst die Unwahrheit gesagt habe, als er behauptete, nichts von den Plänen zur Massenvernichtung von Juden und anderen gewusst zu haben.
Joachim Fest war verheiratet und hat zwei Söhne, darunter den heutigen Leiter des Rowohlt-Verlags, Alexander Fest. In der kommenden Woche sollen unter dem Titel "Ich nicht" seine Kindheits- und Jugenderinnerungen erscheinen.
Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat den verstorbenen Publizisten und Historiker Joachim Fest als großen Journalisten und vorzüglichen Stilisten gewürdigt. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP zeigte sich Reich-Ranicki am Dienstag betroffen über den Tod seines langjährigen Kollegen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der heute 86-Jährige war in der Zeit von Fest als FAZ-Herausgeber bis 1988 insgesamt 15 Jahre lang Literaturchef der Zeitung.
Reich-Ranicki sagte, Fest habe als Journalist, Publizist und Historiker das kulturelle Leben in Deutschland viele Jahre lang auf wichtige Weise geprägt. Zudem sei er ein vorzüglicher Stilist gewesen. Nur sehr wenige hätten ein "so grandioses Deutsch wie er" geschrieben. Joachim Fest sei auch zu verdanken, dass die FAZ in den siebziger Jahren so eine engagierte und lebendige Literaturredaktion hervorgebracht habe, fügte Reich-Ranicki hinzu.
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