Schuldnerberatung als TV-Hit: Quotenkönig Peter Zwegat
VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 01.04.2009 - 14:37Düsseldorf (RP). Bis zu 6,3 Millionen RTL-Zuschauer sehen Schuldnerberater Peter Zwegat zu, wie er Familien aus der Finanzklemme hilft. Damit jede Sendung ein Quotenhit wird, überlässt die Produktionsfirma nichts dem Zufall.
"Sie haben mich gerufen. Was kann ich für Sie tun ?" Mit diesen Worten stellt sich Deutschlands bekanntester Finanzprofi Peter Zwegat Mittwoch für Mittwoch in den Dienst einer verschuldeten Familie: rechnet ihre Ausgaben und Einnahmen durch, ordnet ihre Quittungsberge, besänftigt ihre Gläubiger, kurz, holt sie "Raus aus den Schulden" – so, wie die gleichnamige RTL-Sendung es verspricht.
Mit diesem Versprechen stößt der Sender nicht nur bei den 6,9 Millionen Deutschen auf großes Interesse, die selbst überschuldet sind. Bis zu 28,4 Prozent der 14- bis 49-Jährigen schauen die Sendung, zuletzt gab es sogar eine Nominierung für den Adolf-Grimme-Preis.
Damit aus dem drögen Thema Schulden jede Woche ein Quotenknaller wird, überlässt die Produktionsfirma Probono nichts dem Zufall. Etwa 1000 Bewerber-Mails gehen Monat für Monat bei Executive Producer Barbara Breidenbach ein, mehr als 40 davon werden telefonisch interviewt.
Die perfekte Mischung
"Eine Alleinerziehende mit Kind, ein junges Paar mit Konsumschulden oder eine Familie, in der gleich mehrere Generationen von der Schuldensituation betroffen sind", so sieht laut Breidenbach die perfekte Mischung aus, die jede der zwölfteiligen Staffeln abdecken sollte. Kameratests runden das Auswahlverfahren ab.
Acht Wochen bis sechs Monate begleitet ein Kamerateam die ausgewählten Familien. Wenn Zwegat nicht vor Ort ist, kümmert sich der betreuende Autor um ihre Belange. Zusätzlich ist eine Mitarbeitern Zwegats in dessen Berliner Büro ansprechbar – "solange, bis die Familie den Rest des Weges aus eigener Kraft schafft", sagt Breidenbach.
Wie bei "echten" Schuldnerberatern gilt ein Fall als abgeschlossen, wenn ein realistischer Plan steht, nach dem die Betroffenen mit ihren finanziellen Mitteln ihre Schulden abbezahlen können. Manche seien nach einem Jahr schuldenfrei, so Breidenbach, wer in die Verbraucherinsolvenz geht, nach etwa sieben Jahren.
"Die Menschen wissen, dass es uns gibt"
Oft tauchen jedoch schon während dieser "Entschuldungsphase" neue Fragen auf. Dann steht immer noch Zwegats Mitarbeiterin als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Manchmal schaut der gelernte Sozialpädagoge auch selbst noch einmal vorbei. Zehn Familien besuchte er bisher für drei "Rückblicksfolgen".
Für die Bewerber, die nicht berücksichtigt und von Probono nur mit Informationen zu offiziellen Beratungsstellen versorgt werden, bringt die Sendung vor allem eins: Enttabuisierung. "Die Menschen wissen, dass es uns gibt", sagt Volker Prüfer, Schuldnerberater bei der Stadt Düsseldorf. Mitunter entwickelten sie durch die Sendung aber falsche Erwartungen an die Berater. Dass die Finanzprofis die Ärmel hochkrempeln und die Menschen tatsächlich rausholen aus ihren Schulden, sei unrealistisch, so Prüfer.
Vielmehr müssen die Betroffenen lernen, zumindest eine Weile mit ihren Schulden zu leben. Und in dieser Zeit auch selbst zuzupacken. Hausbesuche zum Beispiel macht Prüfer nur, wenn die Betroffenen aus gesundheitlichen Gründen nicht in seine Beratungsstelle kommen können. Auch beim Aktensortieren helfen er und seine Kollegen lediglich, wenn die Schuldner selbst dazu nicht in der Lage sind. Schon aus Zeitgründen: 324 Fälle betreut ein Vollzeit-Schuldnerberater der Stadt Düsseldorf pro Jahr.
Wartezeiten überraschend kurz
Angesichts dieser Belastung sind die Wartezeiten überraschend kurz. Vier Wochen dauert es bei Prüfer bis zum ersten Termin. Kollegen aus anderen Städten berichten jedoch von Fristen bis zu einem halben Jahr – während Zwegat schon sechs bis acht Wochen nach Eingang der Bewerbung vor der Tür steht.
Wenn er denn vor der Tür steht. Deshalb zum Trost für Betroffene: Prüfer und seine Kollegen vergeben ihre Termine unabhängig vom persönlichen Hintergrund und dem Auftreten beim Casting, sondern, so Prüfer, "in der Reihenfolge, in der die Leute uns anrufen."
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