Sieg hing am seidenen Faden: Raab schlägt den Highlander
VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 14.09.2008 - 11:38Köln (RPO). Der männliche Eisprung gelang Stefan Raab nicht. Dennoch triumphierte der Entertainer bei der zwölften Ausgabe seiner eigenen Marathon-Show "Schlag den Raab" – diesmal gegen einen riesigen Highlander, der im wahren Leben Saunameister ist. Auch das TV-Format verzeichnete einen Sieg – trotz der ewig langen Sendezeit.
Jan May hatte sich gegen vier Mitbewerber knapp durchgesetzt und durfte gegen den Gastgeber um 500.000 Euro kämpfen. Er hatte sich die Gunst der Zuschauer vor allem dadurch erworben, dass er bei seiner Vorstellung besondere Fähigkeiten bei der schottischen Tradition "Highland Games" versprach. Dabei sind Talente beim Baumstamm-Überschlag-Werfen oder Steinstoßen gefragt, womöglich eine gute Mischung, um Raab aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Der Thermal-Experte machte seine Sache tatsächlich vier Stunden lang gut. Doch beim "Fadenessen" zeigte Raab die stärkere Kaumuskulatur, malmte einen Bindfaden mit Gummibärchen-Ende schneller in den Mund und gewann letztlich souverän nach 13 von 15 möglichen Spielen.
Pech für Praktikant Elton, der somit nicht mehr zum Einsatz kam und seinem Chef nur noch den Koffer mit den Moneten überreichen durfte. Doppeltes Pech, denn in der nächsten Show (am 1. November) muss Elton gleich zwei schwere Koffer tragen, da die Regel bei einem Raab-Sieg die Verdopplung der Prämie vorsieht.
Geld bekam der Kandidat also nicht, dafür erspielte er sich die Sympathien des Publikums – nicht nur wegen seines Bartes, der die Kultbehaarung von Handball-Bundestrainer Heiner Brand in den Schatten stellt. Beim Autokennzeichen-Raten, im Weitsprung (4,35 Meter), im Blind-Laufen, im Beachsoccer und eben beim Eisprung siegte der 44-Jährige, bewies dabei gutes Wissen, Kraft und vor allem viel Gefühl.
Der eher hektische Raab setzte jedoch gewohnt seinen Kampfgeist entgegen. Sein Ehrgeiz war unverkennbar. "Ihr Schweine", schrie der frühere Metzger, nachdem die Jury beim Musik-Erraten seiner Meinung nach nur "alte Schinken" abfragte. Beim Beachsoccer zog sich der 43-Jährige einmal mehr eine blutende Wunde zu, nur die Studiotechnik blieb diesmal unversehrt. In der vorigen Sendung hatte Raab einen Monitor kaputtgeschlagen.
"Jan war ein sympathischer Kandidat. Er hat das Herz am rechten Fleck und bleibt auch ohne Geld glücklich." So sieht es auch der Geschlagene selbst: "Ich lasse es mir nicht zu Herzen gehen. Ich hätte gerne das Geld gehabt. Aber es ist eben ein Spiel und der Bessere hat gewonnen."
Nur einmal ließ sich Raab ablenken. Während er beim Auftritt von Sarah Connor noch gelassen blieb, ließ er es sich bei der zweiten Musikeinlage nicht nehmen, allen fünf "PussYcat Dolls" persönlich die Mikrofone abzunehmen. Dafür bekam er reichlich Küsschen. Raab konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Einen starken Abend erwischten sowohl Kommentator Frank Buschmann als auch Moderator Matthias Opdenhövel, die keine Gelegenheit ausließen, Raabs Schwächen im Körperbau hervorzuheben. Als sich Raab beim Weitsprung in einen hautengen Anzug quetschte, hatte Opdenhövel den passende Vergleich parat: "Mmmh, Borat springt heute." Buschmann vergaß nicht zu erwähnen, dass der Weltrekord bei 8,95 Meter liegt, so lang war in Köln nicht einmal die Grube.
Nur einen Gag hätte sich Opdenhövel sparen können: Spiel 10, "Das Ei". Die Duellanten ließen ein Gummi-Ei in aufrechter Position fallen und versuchten, es wieder aufzufangen. "Wir wollen einen Eisprung sehen", meinte Opdenhövel. Naja.
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