Tragödie bei ZDF-Dreharbeiten: Rätselhafter Tod eines Stuntmans
zuletzt aktualisiert: 21.07.2006 - 11:06Mainz (rpo). Für Stuntman Michael G. sollte die Nummer Routine sein. Als Double für Schauspieler Armin Rohde raste er für eine ZDF-Actionkomödie am Steuer eines Fiat Punto in den Berliner Teltowkanal. Doch irgend etwas bei diesem Stunt ging schief, der 39-Jährige ertrank gefangen in dem Fahrzeug. Möglicherweise hatte der Profi noch in letzter Minute versucht, sich zu retten.
In der Szene, die für Michael G. tödlich endete, sollte laut Drehbuch der Bewährungshelfer Franz Berger in rasender Fahrt eine Wand durchbrechen und mit seinem Auto in einen Kanal stürzen, sich aus dem Fahrzeug retten und zum Ufer schwimmen. Für diese Bilder ersetzte Michael G. den Schauspieler Rhode. Er ließ sich, angeschoben durch ein anderes Auto, im Fiat Punto über eine Schanze in den Kanal katapultieren. Der Stunt lief nicht wie geplant. Das Auto überschlug sich und landete auf dem Dach, das dadurch tief herunter gestaucht wurde.
Offenbar war der Wagen falsch auf dem Wasser aufgeprallt. Hätte er einen Überrollbügel gehabt, wäre das Unglück womöglich glimpflich ausgegangen. Michael G. habe eine Kopfverletzung erlitten, als das Auto auf dem Dach gelandet sei, zitiert die Berliner Zeitung Fachleute, die den Unfallhergang untersucht haben. Demnach wurde Michael G. wahrscheinlich bewusstlos und konnte deshalb weder Nothammer oder Atemgerät benutzen, das er dabei hatte.
Allerdings stellte sich heraus, dass Michael G. vor seinem Tod offenbar seinen Sicherheitsgurt gelöst hatte. Der tote Stuntman wurde von den Tauchern, die für den Notfall bereit gestanden hatten, im rückwärtigen Teil des von seiner Inneneinrichtung befreiten Wagens gefunden, nicht hinter dem Steuer. Ob er dorthin geschleudert wurde oder irgendwie versucht haben könnte, durch die Heckklappe zu entkommen, blieb vorerst unklar.
Erfolglose Suche der Rettungstaucher
Jedenfalls fanden die Rettungstaucher Michael G. nicht sofort, wo sie ihn vermuteten und suchten noch im im trüben Wasser des Kanals nach dem Verunglückten. Nach 15 Minuten brachten sie ihn schließlich ans Ufer. Für Rettungsmaßnahmen war es zu spät, der 39-Jährige war tot.
Möglicherweise wäre ein Auto mit Überrollbügel als Schutzmaßnahme für einen Stunt wie diesen angezeigt gewesen. Es sei dennoch nicht vollends geklärt, ob deswegen eine Vorschrift verletzt worden sei, heißt es laut Berliner Zeitung. Entsprechende Regelungen würden nämlich für Schausteller und Zirkusartisten gelten, für Stuntmen möglicherweise aber nicht.
Nach Angaben des ZDF, so die Berliner Zeitung, seien sowohl der Stuntman und Filmcrew erfahrene Leute gewesen. Angeblich war Michael G. sogar auf Autostunts spezialisiert. Er hinterlässt eine Lebensgefährtin und einen fünfjährigen Sohn.
Dreharbeiten unterbrochen
Die Dreharbeiten hatten vor einer Woche in Berlin und Umgebung begonnen und wurden nach dem Unfall auf unbestimmte Zeit unterbrochen. "Wir sind bestürzt über den tödlichen Unfall. Unsere Trauer und unser Mitgefühl gilt den Angehörigen des Stuntmans", hieß es Seitens des Senders. Nach den bisher vorliegenden Informationen habe die Babelsberger Stuntfirma "Action Unlimited" alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das ZDF lege aber größten Wert darauf, dass die Ursachen des Unfall restlos aufgeklärt würden.
Action Unlimited habe in der Branche einen ausgezeichneten Ruf. Der Stuntman habe als erfahrener und besonnener Profi gegolten. Laut ZDF waren während der Dreharbeiten auch Wasserschutzpolizei und Rettungssanitäter vor Ort.
Ein Unglück namens Emma
Der ZDF-Film mit dem Arbeitstitel "Ein Unglück namens Emma" vereint laut ZDF-Eigenwerbung explosive Action, Slapstick und "ehrliche Emotionen" mit "nachvollziehbaren Problemen". Die Dreharbeiten begannen Mitte Juli. Regie führt Ulrich Zrenner, der fürs ZDF bereits Filme wie "Unter Verdacht - Das Karussell", "Vier Meerjungfrauen - Liebe à la carte" und "Liebes Leid und Lust" inszenierte.
Im Film spielt Armin Rohde einen Bewährungshelfer, der wegen der Arbeit seine Ehefrau (Anica Dobra) vernachlässigt und die Verantwortung für die kleptomanische Emma Schulze (Anja Kling) hat. Sein Leben gerät aus den Fugen, Chaos nimmt seinen Lauf. Produziert wird der aktuelle Film von der Kölner Firma Network Movie, einer hundertprozentigen Tochter der Lizenzhandelsfirma ZDF Enterprises, welche wiederum eine hundertprozentige Tochter des ZDF ist.
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