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Neues Karaoke-Format "Singing Bee": René, die Hitmaschine

VON BRITTA KRAUSS - zuletzt aktualisiert: 10.09.2008 - 08:38

Düsseldorf (RPO). Der eine gibt die sexy Pussycatdolls, der andere die Band Silbermond in ihrem gefühlvollsten Moment: Was machen zwei singende Männer auf der Bühne, einer von ihnen im Sido-T-Shirt mit Totenkopf, der andere im pinkfarbenen Oberteil? Richtig. Ein Privatsender hat wieder gecastet.

René ist eine Maschine. Eine wandelnde Hit-Maschine. Kaum ein Song, dessen Text er nicht auswendig kann, egal ob Hiphop, Deutschrock oder Schmalziges. Und genau das hat den 24-Jährigen im Sido-T-Shirt und mit Basecap auf dem Kopf nun zum Sieger gemacht. Zum Sieger eines neuen Prosieben-Formats, in das der glückliche Berliner so gar nicht reinpassen will - egal wie schräg er ins Mikrofon singt. "Singing Bee - Die unfairste Musikshow der Welt" heißt die neue Show, mit der der Sender seit Dienstagabend auf den Karaoke-Trend setzt und damit Zuschauer gewinnen will.

Mittendrin: Oli - ehemals P. - Petszokat und Senna, "die Hessin" von der Girlgroup Monrose. Ein fragwürdiges Moderatorenpaar mit einer simplen aber unterhaltsamen Sendung, die alles bietet, was der deutsche Durchschnittskonsument sehen will - oder ungefragt vorgesetzt bekommt: echte, junge und gerne auch schräge Charaktere mit dem Hang zur fatalen Selbstdarstellung, Casting-Pannen zum Fremdschämen und musikalisches Material zum Mitgrölen. Man mische dies mit einem Preisgeld von 50.000 Euro, der Show-Band Ecco Di Lorenzo und seinen Singing Bees und vier aufdringlich präsentierten GoGo-Tänzerinnen im kleinstmöglich anzunehmenden Bienen-Outfit - fertig ist die Dienstagabendunterhaltung. "Achtung, Mitsing-Gefahr!" warnen die Macher.

Mit "Griechischer Wein" ins Halbfinale

Worauf es ankommt: Textsicherheit. Egal wie die Kandidaten aussehen, die vor der Sendung in deutschlandweiten Castings ausgesucht wurden, egal ob sie die Töne treffen oder sich rhythmisch im Takt dazu bewegen können - es gewinnt derjenige, der sich in fünf Runden als der Textsicherste herausstellt. Viel Abwechslung haben die unterschiedlichen Spiele dabei nicht zu bieten. Ob Text-Puzzle, Lückenspiel oder Zeilen vollenden, die Kandidaten müssen - begleitet von der Show-Band und ihren Sängern - wortwörtlich den Songtext draufhaben. Da gilt kein "and" statt "or", kein "Fan" statt "Freak". Einfach ist das nicht. Und es zeigt sich, wer heimlich zuhause jedes auch noch so furchtbare Lied mitsingt. Die Moderatoren machen es ihren Kandidaten mit der Liedauswahl nicht unbedingt einfach. Gut - den Silbermond-Schmachtfetzen "Das Beste" könnten viele mitsingen - aber "Griechischer Wein" von Udo Jürgens, Zeile für Zeile? Schon wähnte man Kandidatin Beatrice vor dem sicheren Aus, doch die 24-jährige Münchenerin (als einzige ausgestattet mit Gesangstalent) singt sich fehlerfrei und ohne mit der Wimper zu zucken ins Halbfinale.

Für Stefan ("mir ist nichts peinlich") aus Hamburg ist der kurze Augenblick des Ruhms kurz davor zu Ende. Er scheitert am wandelnden Gesangsbuch und späteren Sieger René. Dabei hätte der Mediengestalter im pinken Shirt eigentlich alleine für seine überaus ambitionierte, schamlose und sympathische Pussycatdoll-Interpretation ("Don't cha") einen Sonderpreis verdient. Auch Moderator Oli, der ansonsten einigermaßen souverän durch die Show führt, lässt sich davon ein kleines bisschen aus dem Konzept bringen.

Senna, die zum ersten Mal als Moderatorin vor der Kamera steht, macht sich gar nicht schlecht - auch wenn sie so aufgeregt daherbrabbelt, dass sich ihre Atemzüge dazwischen wie die eines Marathonläufers bei Kilometer 38 anhören.

Der erste strahlende Sieger der einstündigen Show: René. Mit Hilfe der Prinzen und ihrem Song "Millionär" singt er sich mit der Zeile "Von viel Kohle hab ich bisher leider nur geträumt" in den "Singing Bee"-Olymp und hin zu 50.000 Euro. Und so wie der große, kräftige Berliner Azubi sich darüber freut, verzeiht man ihm auch fast sein Sido-Shirt.

Nach vier Werbepausen, sechs Kandidaten, fünf Runden und einer Stunde Fernsehen ist eines aber noch immer nicht klar: warum die neue Show eigentlich "Singing Bee" heißt. Wegen der vier knappsten in Gelb und Schwarz bekleideten GoGo-Tänzerinnen, deren Brüste immer während der Gesangseinlagen eingeblendet werden? Nein. Das Show-Format kommt aus Amerika. Und die Amerikaner haben den Titel in Anlehnung an die dort so beliebten Buchstabier-Wettbewerbe gewählt, bei denen Schüler gegeneinander antreten: "Spelling Bee" heißt das Ganze dann.

Das hätten die Macher ruhig mal erklären können.


 
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