Tatort aus Stuttgart: Richy Müller sucht nach Spuren einer Unsichtbaren
zuletzt aktualisiert: 14.11.2010 - 17:27Berlin (RPO). Zum siebten Mal ermitteln die "Tatort"-Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz in Stuttgart. Mitten im Winter wird eine ermordete Frau an einem Seeufer gefunden. Wie sich herausstellt, hielt sich die Ukrainerin seit Jahren illegal in Deutschland auf.
Die Ermittler müssen nicht nur den Mörder stellen, sondern auch die Kinder der Frau finden, die nun aus Angst vor der Abschiebung auf der Flucht sind. Dabei braucht die schwer kranke, kleine Ella dringend Medikamente. In der Folge "Die Unsichtbare" (20.15 Uhr in der ARD) widmet sich der Stuttgarter "Tatort" mit Richy Müller und Felix Klare einem Fall mit sehr ernstem Hintergrund. Es geht um illegale - und dadurch schutzlos - in Deutschland lebende Menschen und den Umgang mit ihnen.
Dennoch ist "Die Unsichtbare" (Regie: Johannes Grieser) nicht der stärkste Fall des seit 2008 ermittelnden SWR- "Tatort"-Duos - unter anderem, weil die Auflösung der Geschichte, auch wegen des eingeschränkten Kreises von Verdächtigen, recht vorhersehbar ist. Vor allem Richy Müller als Kommissar mit Ecken und Kanten ist jedoch wieder sehenswert. Und das politisch virulente Thema steht dem "Tatort" gut zu Gesicht.
So gibt es da einerseits den Schulrektor, der die "illegalen" Kinder wissentlich aufnahm und auf die Schulpflicht verweist. Auf der anderen Seite beutet der Wäschereibesitzer, bei dem auch die Getötete arbeitete, seine ausländischen illegalen Arbeiter aus.
Von einer Freundin der Ermordeten erhofft sich Kommissar Lannert (Müller) Hilfe bei der Aufklärung. Doch Nadja (Anita Vulesica) ist selbst illegal in Deutschland. "Jeder" sagt sie auf die Frage, wer Taya getötet haben könnte. "Uns gibt's ja nicht. Keiner vermisst uns." Lannert lässt sich darauf ein, Nadja nicht auf dem Präsidium zu befragen, um sie vor einer Abschiebung zu bewahren.
Sein Kollege Bootz (Klare) ist darüber gar nicht begeistert, er will sich an Recht und Gesetz halten. Ebenfalls in den Fokus rücken der Mitarbeiter der Ausländerbehörde Jürgen Stiller (Karl Kranzkowski) und der verheiratete und etwas affige Kunsthistoriker Dr. Jochen Winterberg (Martin Brambach), mit dem Taya eine Affäre hatte.
Natürlich gehe es in erster Linie um Spannung, um die Auflösung eines Kriminalfalls, um die Suche nach dem Mörder, sagt Drehbuchautor Volker A. Zahn, der das Buch gemeinsam mit seiner Frau Eva Zahn schrieb. "Wir fanden an dem Thema aber vor allem interessant, dass Menschen unter uns leben, die gesetzestreuer sind als so manche brave Bürger, die gerne mal Steuern hinterziehen oder das Tempolimit missachten - und dass diese Leute komplett schutz- und rechtlos sind, dass man ihnen elementare Grundrechte einfach vorenthält."
Die Mehrheit dieser "Menschen ohne Papiere" lasse sich Jahre lang nichts zuschulden kommen außer der Tatsache, dass sie keinen legalen Aufenthaltsstatus hätten. "Aber die Art und Weise, wie sie hier zu leben gezwungen werden, macht sie zu einer leichten Beute für Ausbeuter und Verbrecher. Das ist für uns als Autoren ein spannendes Themenfeld. Aber vor allem ist es ein politischer Skandal."
Der nächste Fall der Stuttgarter Kommissare, "Grabenkämpfe", wird nach Senderangaben voraussichtlich am 15. Mai 2011 ausgestrahlt.
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