Neue ARD-Serie "Weissensee": Romeo und Julia – mit Liebe gegen die Stasi
zuletzt aktualisiert: 13.09.2010 - 08:18Berlin (RPO). Zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit blickt die ARD auch fiktional zurück auf die DDR. Am Dienstag (14. September, 20.15 Uhr) startet der Sender die sechsteilige Serie "Weissensee", die zwei ganz unterschiedliche Ost-Berliner Familien Anfang der 80er Jahre und eine Liebesgeschichte à la Romeo und Julia in den Mittelpunkt stellt.
In "Weissensee" - ein Berliner Stadtteil - wird das Schicksal der völlig gegensätzlichen Familien Kupfer und Hausmann erzählt, deren Lebenswege sich kreuzen. Auf der einen Seite ist da die Stasi-Familie, auf der anderen die kritische Künstlerfamilie - eine Konstruktion, die auch eine etwas holzschnittartig exemplarische Zeichnung in sich birgt.
Die Kupfers gehören zu den "Bonzen" und wohnen in einem schönen Haus mit Wassergrundstück. Vater Hans (Kockisch) und der älteste Sohn Falk (Jörg Hartmann) sind hohe Offiziere bei der Staatssicherheit, der jüngere Sohn Martin (Lukas) ist Volkspolizist, der diesen Beruf nach eigenen Worten macht, weil er sich für Menschen interessiere. Während Falk ein 100-Prozentiger ist, will Martin keine Karriere machen und macht sich vermehrt kritische Gedanken. Darüber entzweit er sich auch immer mehr mit seinem Bruder.
Stasi gegen Künstler
Die Hausmanns dagegen gehören zum Künstlermilieu: Mutter Dunja (Sass) wird als bekannte und kritische Liedermacherin überwacht, ihre freigeistige Tochter Julia (Herzsprung), die als Kosmetikerin arbeitet, hat einen US-amerikanischen Freund und gilt als politisch unzuverlässig.
Durch einen Zufall lernen sich Martin und Julia kennen und verlieben sich ineinander. Doch ihre Familien wollen die Verbindung nicht akzeptieren. Große Konflikte und Emotionen bestimmen fortan das Leben der Protagonisten.
Jahrelange Recherche
Sie habe jahrelang recherchiert, die Drehbücher seien von mehreren Fachberatern revidiert und korrigiert worden, sagt Autorin Hess, die es aber auch als Wagnis sah, "dass ich als 'Wessi' aus dem Leben der DDR erzählen will". Sie wolle begreifen, "wie die DDR funktioniert hat, wie die Menschen miteinander lebten, was dieses Land im Innersten so lange zusammenhielt", betont sie.
Diese Geschichte könne jetzt erzählt werden, "weil der Abstand groß genug ist, um nicht ins erstbeste Klischee zu fallen oder zwecklos zu polarisieren", findet Produzentin Regina Ziegler. "Freilich werden auch jetzt noch Zuschauer, die diese Zeit kennen, die sie vielleicht unbeschwert oder eben sehr schmerzlich erlebt haben, beim Zuschauen sagen: 'Das war nicht so. Meine Geschichte ist das nicht. Das habe ich so nicht erlebt'", räumt sie ein.
Katrin Sass und Hannah Herzsprung
Mit diesem Einwand müsse rechnen, wer fiktionalisiere. Und sie müsse ihn respektieren. "Wir behaupten mit 'Weissensee' auch nicht: So und nicht anders war es. Die Fiktion befreit sich vom Dokumentarischen", sagt Ziegler.
Besetzt mit einem prominenten Schauspielensemble unter anderen mit Uwe Kockisch, Katrin Sass, Hannah Herzsprung, Florian Lukas und Anna Loos ist "Weissensee" ein sehenswerter und auch spannender Mehrteiler geworden. Ganz klischeefrei ist die Hauptabendserie von Regisseur Friedemann Fromm ("Die Wölfe", "Jenseits der Mauer") und Drehbuchautorin Annette Hess allerdings nicht.
Forsetzung abhängig von der Resonanz
Eine Fortsetzung des Sechsteilers wäre von der Geschichte her möglich. Wie üblich wird sie aber von der Resonanz beim Publikum abhängen.
Zuletzt erreichte auf dem 20.15-Uhr-Sendeplatz am Dienstag die skurrile Krimiserie "Mord mit Aussicht" im Schnitt rund fünf Millionen Zuschauer. Nun soll ein anderes Genre beim Publikum punkten. Eine Familienserie, die in der DDR spiele und aus dieser Perspektive Lebensumstände der DDR zeige, habe es seit der Wiedervereinigung im deutschen Fernsehen noch nicht gegeben, betont ARD-Programmdirektor Volker Herres im Presseheft.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







