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Debatte um Fernseh Qualität: RTL-Chef: Reich-Ranickis Kritik ist irrelevant

zuletzt aktualisiert: 18.10.2008 - 14:20

Hamburg (RPO). Gerhard Zeiler, Chef des Privatsenderkonzerns RTL Group, hat die Entscheidung der deutschen Senderchefs verteidigt, nicht mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki über Qualität im Fernsehen zu debattieren. "Ich sehe überhaupt gar keinen Grund, mit Reich-Ranicki über das Fernsehen zu diskutieren", sagte Zeiler.

Gerhard Zeiler soll wieder den Geschäftsführer-Posten in Köln übernehmen.  Foto: AP, AP
Gerhard Zeiler soll wieder den Geschäftsführer-Posten in Köln übernehmen. Foto: AP, AP

"Ich streite mit jedem gern über die Qualität des Programms, wenn er es zumindest sieht." Reich-Ranickis Kritik sei "einfach nicht relevant" sagte Zeiler  dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut Vorabbericht. Zeiler kritisierte auch die Entscheidung, Reich-Ranicki mit dem Preis auszuzeichnen: "Die Frage ist, warum man unbedingt einem Literaturkritiker, und sei er noch so renommiert, einen Fernsehpreis verleiht. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals Buchpreise an Fernsehstars vergeben wurden."

Der Literaturkritiker hatte am vergangenen Wochenende den Deutschen Fernsehpreis ausgeschlagen und in seiner wütenden Rede das TV-Programm als "Blödsinn" bezeichnet. ZDF-Moderator Thomas Gottschalk hatte ihm daraufhin vorgeschlagen, mit den Senderchefs in einer Sondersendung zu diskutieren, musste dies am Freitagabend dann aber schließlich allein tun.

Gottschalk hielt Reich-Ranicki in der bereits am Mittwoch aufgezeichneten Sendung vor, auch er sei "ein Kind des Fernsehens" und durch das Fernsehen bekanntgeworden, und er sei ein unterhaltsamer Mensch. Im "Spiegel" sagte der Moderator, Reich-Ranicki gehöre zum deutschen TV-Establishment. Er habe verstehen können, dass etliche Programmteile des Fernsehpreis-Abends den 88-Jährigen "irritieren bis entsetzen mussten", wurde Gottschalk zitiert.

Gottschalk: Eliten und Bildungs-Prekariat entwickeln sich auseinander

Zugleich wehrte sich der "Wetten, dass..."-Moderator gegen grundsätzliche Kritik an Unterhaltungssendungen. Er selbst mache mitunter albernes, aber schmerzfreies Unterhaltungsfernsehen. "Ich nenne es Überheblichkeit, wenn mir und den Leuten sowas madig gemacht wird." Generell entwickelten sich "intellektuelle Eliten und Bildungs-Prekariat in Deutschland zusehends auseinander".

Die Forderung Reich-Ranickis, wonach Unterhaltung im Fernsehen auf dem Niveau von Shakespeare oder Brecht sein sollte, lehnte Gottschalk als weltfremd ab. Filmfassungen von Skakespeare könne man 17-Jährigen heute nicht mehr vorführen. "Die reden anders, die denken anders", sagte er im Gespräch mit dem Literaturkritiker. Wer dem Erfolg verpflichtet sei, müsse auf die Quote achten.

RTL-Chefin lobt vielfältiges TV-Angebot in Deutschland

Die Chefin des Senders RTL, Anke Schäferkordt, warf dem Literaturkritiker indirekt scheinheiliges Verhalten vor. Sie wundere sich, dass Reich-Ranicki in viele Kameras spreche, obwohl er das Fernsehen nicht möge, sagte sie der "Bild"-Zeitung. Zugleich verteidigte sie die Vielfalt der TV-Angebote. "Zweifelsohne gibt es Sendungen, über die man diskutieren kann. Aber wenn jemand heute Abend in die Fernsehzeitschrift schaut und sagt, dass er nichts findet, ist das so, wie wenn Claudia Schiffer vor in ihrem Kleiderschrank steht und sagt: 'Ich habe gar nichts zu Anziehen.'"

Zu den RTL-Sendungen "Dschungel-Show", "Superstars" und "Bauer sucht Frau" sagte Schäferkordt: "Das ist für Millionen Menschen beste Unterhaltung - und sie sollten sich dafür nicht entschuldigen müssen. Wir trauen dem Zuschauer sehr wohl zu, selbst zu entscheiden, was er wann schaut und was nicht. Und wer lieber eine Literaturverfilmung sehen will, der wird eine im TV finden." RTL mache kein Fernsehen für die Kritiker, sondern für die Zuschauer.

Quelle: afp

 
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