Brad Pitt und Angelina Jolie ließen sich bei der 41. Verleihung der Goldenen Kameras am Donnerstagabend in Berlin entgegen aller Erwartungen doch nicht blicken. Statt dessen gehörte der Abend des in 13 Kategorien verliehenen Film- und Fernsehpreises der Programmzeitschrift "Hörzu" der Fernsehlegende Rudi Carrell.
Der 71-Jährige wurde mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk geehrt und stellte selbst Oscarpreisträgerin Charlize Theron in den Schatten. Mit stehenden Ovationen hatten die rund 900 Gäste in der Ullstein-Halle des Berliner Axel-Springer-Hauses Carell einen begeisterten Empfang bereitet.
Der nach einem Urlaub sichtlich erholter Entertainer, bei dem nur die Heiserkeit von seiner Lungenkrebserkrankungen zeugte, dankte es dem Publikum mit einer Liebeserklärung an Deutschland. "Es war eine Ehre, Fernsehen in diesem Land zu machen", sagte Carrell. Die Goldene Kamera sei ein weiterer Höhepunkt in seiner 40 Jahre umspannenden Karriere.
Auch Theron ("Monster"), die den Preis in der Kategorie "Film International" erhielt, betonte ihre tiefe Verbundenheit mit der Bundesrepublik und hielt auch gleich einen Teil ihrer Dankesrede auf deutsch. Die Goldene Kamera sei eine große Ehre, sagte die Südafrikanerin mit deutschen Wurzeln, die für ihre Rolle in "Kaltes Land" in diesem Jahr erneut für einen Oscar nominiert ist. Sie fühle sich "wie eine Tochter Deutschlands", betonte Theron.
Komiker Thomas Hermanns wurde in der Kategorie "Comedy" geehrt. Er hatte vor über zehn Jahren die Idee zum "Quatsch Comedy Club", der inzwischen auch schon seit zehn Jahren als TV-Show bei ProSieben läuft. Zu seinen Ehren sangen Freunde, u.a. Barbara Schöneberger und Georg Uecker, auf der Bühne ein Ständchen.
Die Pussycat Dolls bekamen zunächst die Goldenen Kamera in der Kategorie bester internationaler Pop-Act zusammen mit einem Schmatzer von Thomas Gottschalk.
Danach performten die Pussycat Dolls mit "Stickwitu" einen ihrer Hits, mit denen sie im letzten Jahr schon die deutschen Charts eroberten und sorgten für gute Stimmung in der Ullstein-Halle des Berliner Axel-Springer-Hauses.
Zur besten Koch-Show kürten die Leser der "Hörzu" Tim Mälzers VOX-Sendung "Schmeckt nicht, gibt's nicht". Dieser überraschte mit einer frechen Dankesrede. Von der Goldenen Kamera habe er gehört, es gebe zwar einen "popeligen Saal, aber nette Leute". Ein Raunen ging durch's Publikum.
Mit ZDF-Moderatorin Carmen Nebel, Sat.1-Entertainer Hugo Egon Balder und ARD-Allrounder Jörg Pilawa erhielten am Donnerstagabend gleich drei Fernsehschaffende den Preis als beste TV-Unterhalter.
Den "Ehrenpreis Musik" nahm "Live Aid"-Gründer Bob Geldof für sein Engagement für Afrika in Empfang. Er sprach den deutschen Künstlern seinen Dank aus, die im vergangenen Jahr am weltweiten Konzertmarathon "Live 8" teilgenommen hatten.
Als Gaststar trat US-Komiker Jerry Lewis, der im vergangenen Jahr die Goldene Kamera für sein Lebenswerk erhielt, mit einer kleinen Einlage auf, die allerdings Lewis selbst den meisten Spaß gemacht hat.
Die Goldene Kamera in der Kategorie beste deutsche Schauspielerin ging an Barbara Rudnik. Sie war auf dem Weg zur Bühne und ihrer Danksagung die Einzige, die den sonst sinnfreien Laufsteg mitten im Saal benutzte.
Bei den Männern setzte sich ein sichtlich bewegter Ulrich Noethen gegen die Konkurrenz durch. Matthias Brandt und Jan-Josef Liefers hatten das Nachsehen. Noethen war auch im Sat.1-Zweiteiler "Die Luftbrücke" zu sehen, der den Preis als bester deutscher Fernsehfilm erhielt.
Moderator Thomas Gottschalk führte zum neunten Mal durch die Verleihung der Goldenen Kamera: Anders als zuletzt bei mancher Show zeigte er sich als aufmerksamer Gastgeber - obwohl er insgesamt selten im Bild war.
Als beste Nachwuchsschauspielerin nahm Anna-Maria Mühe ("Was nützt die Liebe in Gedanken") die mit 20 000 Euro dotierte Lilli Palmer & Curd Jürgens Gedächtniskamera in Empfang. Sie wurde zuvor von Hape Kerkeling in seiner Paraderolle als schmieriger Lokalreporter Horst Schlämmer aus dem Publikum geholt.
Für musikalische Unterhaltung sorgte u.a. Xavier Naidoo, der zuvor aus den Händen von Ester Schweins die Trophäe in der Kategorie "Pop National" erhielt.
Schauspielerin Simone Thomalla und ihr Lebensgefährte, Schalke-Manager Rudi Assauer (hinten im Bild), bekamen den Preis für den besten Prominenten-Werbespot ("Veltins"). Das ZDF hatte sorgsam jedes Logo aus dem gezeigten Spot entfernt, doch Assauer konterte in der Dankesrede und betonte trotzig: "Wir im Ruhrgebiet trinken frisches Veltins"
Das große Finale in Bildern....