Neue Show geplant: Rudi Carrell wird 70: Rauchen aufgeben? Lohnt nicht mehr
zuletzt aktualisiert: 19.12.2004 - 09:34Frankfurt/Main (rpo). Das wohl schönste Geschenk zu seinem 70. Geburtstag hat Rudi Carrell schon bekommen. Von der Staatsanwaltschaft Köln. Die stellte nämlich gegen ein Bußgeld das Verfahren wegen Fahrerflucht gegen den Showmaster ein. Was gibt es sonst über das Urgestein der deutschen Fernsehunterhaltung zu berichten? Eine Menge. Zum Beispiel, dass sein Arzt meint, in seinem Fall lohne es sich nicht mehr, das Rauchen aufzugeben.
Statt groß zu feiern, hat sich Carrell in Arbeit gestürzt. Fast alle Geburtstage habe er im Studio verbracht, sagt Carrell. Gerade ist die Silvesterausgabe von "7 Tage - 7 Köpfe" für RTL aufgezeichnet worden.
Der Illustrierten "Bunte" verriet er, dass er eine neue TV-Show entwickelt hat: "Ich habe jetzt ein Wahnsinnskonzept entwickelt, höchst geheim. Endlich mal wieder Wärme, Glamour, Humor, Spannung, Tempo, Klasse." Außerdem habe er ein Filmdrehbuch beendet, eine Liebesgeschichte.
"Mache bis zu meinem Tod weiter"
Fragen nach einem Ruhestand mag der Entertainer nicht. "Ich werde bis zu meinem Tod weitermachen", sagte Carrell bei seinem Rückzug aus der Runde der "7 Köpfe". Im Dezember 2002, nach 200 Sendungen in sieben Jahren, überließ er seinen Platz neben Kalle Pohl dem Neuen Oliver Welke.
Ende 1992 war Rudi Carrell zu RTL gewechselt. Seine große Zeit aber hatte er 27 Jahre lang als König der großen Samstagabend-Show in der ARD. Für seine beste Sendung hält er die "Rudi-Carrell-Show" mit Überraschungen für Zuschauer.
Seither gibt es nach seiner Definition im deutschen Fernsehen keinen Showmaster mehr. "Ein Showmaster muss singen, tanzen, alles können", meint Carrell, der in den Niederlanden als Jugendlicher in die Fußstapfen seines Vaters trat - als Zauberkünstler, Bauchredner, Kasperletheaterspieler und Entertainer mit noch vielen anderen Talenten.
Im Fernsehen wurde Rudolf Wijbrand Kesselaar 1959 als 26-Jähriger über Nacht berühmt und mit seiner monatlich gesendeten "Rudi-Carrell-Show" einer der ersten großen Stars des neuen Massenmediums. Ab 1965 eroberte der schlaksige, fröhliche Niederländer mit dem komischen Akzent auch das deutsche Fernsehpublikum.
Carrells Familien-Quiz "Am laufenden Band" (1974 bis 1979) war einsame Spitze der TV-Unterhaltung mit Einschaltquoten bis zu 64 Prozent. In den 70er Jahren trat er auch als Schauspieler ("Tante Trude aus Buxtehude") und Sänger ("Wann wird's mal wieder richtig Sommer?") hervor.
Die Post ging erst nicht ab
In den 80er Jahren beschäftigte er sich mit Sketchen und Gags für "Rudis Tagesshow", die zu ungeahnten diplomatischen Turbulenzen zwischen der Bundesrepublik und dem Iran führte: In einer Film-Montage wurde der Eindruck erweckt, das damalige iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Khomeini werde von Anhängern mit Damenunterwäsche beschenkt. Die Quizshow "Die verflixte 7" brachte Carrell kein Glück, aber dem Entertainer fiel wieder etwas ganz Neues ein: die Kuppelshow "Herzblatt", die inzwischen 17 Jahre alt ist.
Das Comeback mit der "Rudi-Carrell-Show" der Überraschungen war seine letzte große Sendung bei der ARD. 1992 hatte noch "Rudis Tiershow" im Ersten Premiere, danach wechselte Carrell zu RTL. Dort versprach der alte Showhase "Die Post geht ab", aber das tat sie dann doch nicht. "Das ist die größte Enttäuschung meiner Karriere", sagte er damals. 1994 aber konnte er mit "Rudis Urlaubsshow" wieder an seine Erfolge anknüpfen. 1996 startete seine Erfolgssendung "7 Tage, 7 Köpfe".
Vor der Kamera sei immer nur ein Prozent der Arbeit sichtbar, erklärte Carrell 1998. Die "leichte Unterhaltung" war für ihn "immer harte Arbeit". Schließlich heiße es Showbusiness und nicht Showhobby. "Bei mir muss alles bis ins Kleinste Detail geplant und geprobt sein. Ich bin Perfektionist." Nach 45 Jahren Fernsehen zeigt er sich "wahnsinnig glücklich und zufrieden". Carrell sagte: "Ich bin fürs Fernsehen geboren und hab' mich ausgetobt im Fernsehen."
Er entspannt beim Golfspielen von der Arbeit. Seine Golfpartnerin, die Magdeburger Hotelfachfrau Simone Felischak, heiratete er am 7. Februar 2001 in Australien. Über seine 36-jährige Ehefrau sagte er jetzt der "Bunten": "Sie liebt mich, so wie ich bin. Durch mich lernt sie all die berühmten Menschen kennen, von denen sie immer geträumt hat. Ich bin ihr Märchenprinz." Sie sei besessen vom Kochen, er vom Essen. Während sie Wein genieße, schaffe er täglich drei Liter Bier. Als er seinen Arzt gefragt habe, so Kettenraucher Carrell, ob er das Rauchen aufgeben solle, habe der gemeint: "Es lohnt sich nicht mehr."
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