'Mutter' vom "Bullen aus Tölz": Ruth Drexel im Tiroler "Tatort"
VON VERENA SCHÜRHOLZ - zuletzt aktualisiert: 02.07.2006 - 12:56Düsseldorf (RP). Die bayrische Charakterdarstellerin spielt in dem "Tatort" Tod aus Afrika eine Wirtin, die aus ihrem Gasthof ein Asylantenwohnheim gemacht hat. "Es ist eine schöne, widersprüchliche Figur", sagt die 75-Jährige.
Das Blut spritzt, der Unbekannte mit der Axt in der Hand schlägt immer und immer wieder mit voller Wucht auf den am Boden liegenden Körper ein. So brutal wie der aktuelle Österreich-„Tatort“ hat schon lange kein Film der populären Krimireihe mehr angefangen.
„Tod aus Afrika“ heißt dieser düstere, komplizierte, politische „Tatort“, in dem der Wiener Kommissar Moritz Eisner in den Tiroler Bergen einen Mord an einem schwarzafrikanischen Asylbewerber aufklären muss. Gemeinsam mit seiner Tochter quartiert sich der Sonderermittler im ehemaligen Gasthof von Frieda Jordan ein, die das Haus wegen Gästemangels inzwischen als Asylantenwohnheim für Afrikaner, Tschetschenen und Kosovo-Albaner vermietet.
Anfangs kommt Eisner mit seinen Ermittlungen kaum weiter. Bei den Heimbewohnern rennt er gegen eine Mauer des Schweigens. Bis ein zweiter Mord geschieht. Auch als Zuschauer fällt es schwer, der verworrenen Geschichte zu folgen. Denn was anfangs als Eifersuchtsdrama daherkommt, ist in Wahrheit ein politischer Fall. Unklar bleibt lange, ob und was die zwielichtige Pensionswirtin Frieda und ihr geldgieriger Schwiegersohn mit dem Mord zu tun haben.
Ausgeklügelter Drehplan
Ruth Drexel spielt die Pensionswirtin, die auf den ersten Blick so unsympathisch erscheint. „Es ist eine schöne, widersprüchliche Figur“, sagt die 75-jährige Charakterdarstellerin. „Auf den ersten Blick sagt man, sie verdient ihr Geld mit dem Wenigen, das diese Leute vom Staat bekommen. Dann merkt man aber, dass sie in Sicherheit sind bei ihr. Dass Frieda Jordan sie beschützt und das Geld auf gute Weise verwendet.“
Drexel, die viele Zuschauer als grantelnde Mama des „Bullen von Tölz“ kennen, wollten „Tatort“-Produzent Andreas Payer und Regisseur Andreas Prochaska „unbedingt“ für die Rolle haben. „Wegen der Vielzahl an Drehverpflichtungen stand ihr Einsatz eine Zeit lang auf der Kippe“, sagt Payer. Ein eigens für Drexel ausgeklügelter Drehplan habe ihr Engagement dann doch möglich gemacht.
Auch der Drehbuchautor Felix Mitterer, der mit Drexel befreundet ist, schwärmt von der agilen Seniorin: „Sie spielt für mich so gut wie noch nie.“ Als „Tatort“-Autor ist der gebürtige Tiroler bekannt für seine problembeladenen Bücher. Diesmal hat er sich den Konflikt in der Region Darfur im West-Sudan vorgenommen. „Dieser Film geht an die Nieren“, gibt er zu. Dennoch hält er „Tod aus Afrika“ für einen der bewegendsten „Tatorte“, den er bislang gemacht habe.
Harald Krassnitzer, der den Kommissar Eisner spielt, haben die Dreharbeiten nachhaltig beeindruckt. „Wir hatten einen somalischen Dolmetscher dabei, der mir eines Tages ein Foto von einem Mädchen aus seiner Heimat gezeigt hat, das einen großen Tumor hatte.“ Spontan hätten sich verschiedene Privatleute zusammengetan, um zu helfen. Krassnitzer ist stolz auf die Aktion: „Inzwischen wurde das Mädchen in Wien operiert .“
Tatort:Tod aus Afrika, ARD, So., 20.15Uhr
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