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Nach einer Woche Krieg: Saddam feiert Erfolge an der Propagandafront

zuletzt aktualisiert: 27.03.2003 - 13:04

Bagdad/Kairo (rpo). Der Krieg im Irak wird nicht nur militärisch geführt. Fast ebenso wichtig ist der Propaganda-Feldzug in den Medien. Und da kann Saddam Hussein nach einer Woche Krieg Erfolge feiern.

Der irakischen Führung ist es weitgehend gelungen, die öffentliche Meinung im eigenen Land und in den arabischen Staaten in ihrem Sinne zu beeinflussen. Und das ist für den weiteren Kriegsverlauf und das "Image" der Amerikaner in der Region nach Einschätzung arabischer Beobachter noch wichtiger als die Frage, ob die Alliierten Bagdad nun ein zwei Tagen oder zwei Wochen erreichen.

Bisher hat das Regime von Saddam Hussein erfolgreich auf folgende Faktoren gesetzt: Der für viele überraschende Widerstand im Süden entlarvte Vorstellungen von Irakern, die ihre "Befreier" in den Straßen von Basra bejubeln, als Wunschdenken. "Wie wollen sie in Bagdad einmarschieren, wenn sie eine Woche brauchen, um einen Teil von Umm Kasr und Fau unter ihre Kontrolle zu bringen", höhnt Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf. Angaben über Verluste unter den eigenen Soldaten oder zerstörte militärische Anlagen unterdrückt die irakische Führung bisher erfolgreich.

Bauern schießen Hubschrauber ab

Zweitens haben die irakischen TV-Berichte über Bauern und Frauen, die angeblich mit einer einfachen Panzerfaust oder einem Gewehr den Vormarsch der Supermacht USA behindern oder Kampfhubschrauber zum Absturz bringen, einen Heldenmythos vom tapferen irakischen Zivilisten geschaffen, der sein Land gegen übermächtige Invasoren verteidigt. Derartige Berichte, die das arabische Publikum an die Auflehnung der Palästinenser gegen die israelische Besatzungsmacht erinnern, erzielen bei den Irakern und anderen Arabern einen Solidarisierungseffekt - und das weiß die irakische Führung ganz genau. Sie geben vielen Menschen zwischen Amman und Casablanca das Gefühl von Stolz, nach dem Motto "Seht her, die Amerikaner können die Araber nicht einfach wie willenlose Schafe behandeln".

Drittens haben die zum Teil grauenhaften Fernsehbilder von zivilen Opfern in Basra und Bagdad die Menschen in der arabischen Welt aufgewühlt. Und je mehr Bilder von schwer verletzten Kindern die Iraker sehen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass selbst Regimegegner die Alliierten als "Befreier" willkommen heißen werden. Die Amerikaner und Briten haben an der "Propagandafront" nach Ansicht arabischer Beobachter zudem einige entscheidende Fehler gemacht. Das Bild des Soldaten, der eine US-Fahne an der kuwaitisch-irakischen Grenze hisste, ging um die Welt. Auch wenn die Fahne später wieder entfernt wurde - der Vorfall schien all diejenigen zu bestätigen, die vor einer "amerikanischer Besatzung" gewarnt hatten. Auch die britische Formulierung Basra sei nun ein "legitimes militärisches Ziel" sei nicht gerade glücklich gewesen, kommentiert die Kairoer Wochenzeitung "Al-Ahram" am Donnerstag.

Das Misstrauen ist bis heute groß

Ein großes Problem sind all diese Faktoren auch für diejenigen arabischen Führer, die in ihrer Ablehnung gegen den Krieg etwas moderater waren als beispielsweise der syrische Präsident Baschar el Assad. Sie hatten geglaubt, die Amerikaner bekämen die Sache schnell in den Griff und fühlen sich nun betrogen. "Die Amerikaner haben uns gesagt, dass er (der Krieg) kurz sein würde, aber ich habe die Befürchtung, dass er lange andauern wird, was zum Tod vieler Menschen führen würde", meint der ägyptische Präsident Husni Mubarak.

Die Amerikaner bekommen nun außerdem die Quittung für das, was sie 1991 angerichtet haben, als sie die irakischen Kurden und Schiiten zum Aufstand ermuntert und sie anschließend der Rache Saddams ausgeliefert hatten. Das Misstrauen ist bis heute groß. So stimmten einige Einwohner von Safwan an der Grenze zu Kuwait am Mittwoch vor den Kameras der arabischen Fernsehsender Lobgesänge auf Saddam an, als der kuwaitische Rote Halbmond in der irakischen Kleinstadt Hilfsgüter verteilte. "Die Leute von der Baath-Partei sind immer noch in der Stadt - da ist man besser vorsichtig, mit dem was man sagt", raunt einer der Einwohner der Stadt einem Zeitungsreporter zu.


 
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