Wett-Kandidat bleibt womöglich gelähmt: Samuel verständigt sich mit Zeichensprache
zuletzt aktualisiert: 08.12.2010 - 12:35Düsseldorf (RPO). Der schwer verunglückte "Wetten, dass..?"-Kandidat Samuel Koch ist mittlerweile wach und orientiert. Dies teilten die behandelnden Ärzte der Universitätsklinik Düsseldorf in einer Pressekonferenz mit. Im Laufe der Nacht war Koch erneut drei Stunden lang operiert worden. Der Patient hat schwere Lähmungen an Armen und Beinen. Womöglich für immer.
"Eine vollständige Erholung ist unserer Ansicht nach jetzt unwahrscheinlich", sagte der Direktor der Klinik für Neurologie an der Düsseldorfer Uniklinik, Hans-Jakob Steiger, am Dienstag. Nachdem der 23-Jährige aus dem künstlichen Koma aufgeweckt worden war, wurden bei ihm laut Steiger "schwere Lähmungen" an Beinen und Teilen der Arme festgestellt. "Im schlimmsten Fall bleibt er gelähmt", sagte der Neurochirurg.
Samuel Koch liegt weiterhin auf der Intensivstation. Der Wettkandidat steht unter Medikamenteneinfluss, ist aber wach und offenbar orientiert. Stimmliche Äußerungen kann der 23-Jährige wegen eines Luftröhrenschnitts mit eingeführter Kanüle allerdings momentan nicht von sich geben. Fragen kann er jedoch zwinkernd beantworten. Zudem sind nur Teile seiner Arme gelähmt, so dass er auch mit den Fingern Zeichen geben kann.
Steiger erklärte den anwesenden Journalisten, dass der nächtliche Eingriff Druck vom Rückenmark nehmen sollte, den eine Schwellung verursachte. Die Gefäßverletzungen, die zu den Hirnblutungen geführt hatten, bleiben wahrscheinlich ohne klinische Folgen.
Genauere Prognosen in einer Woche
Momentan leidet Koch noch an Lähmungen an Armen und Beinen. Inwieweit diese Lähmungen zurückgehen werden, sei noch unklar, so Steiger. Im schlimmsten Fall bleibe er gelähmt, eine vollständige Erholung sei aber möglich. Der trainierte Zustand des Patienten sei von großer Wichtigkeit. Steiger sieht Koch sogar schon in zwei Wochen in der Rehabilitation.
Zuvor müsse allerdings die Wirbelsäule erneut stabilisiert werden, sagte Neurochirurg Steiger. In etwa einer Woche könnten genauere Prognosen über die Wahrscheinlichkeit einer Genesung des 23-Jährigen gemacht werden. "Ich kann ausschließen, dass er die Klinik zu Fuß verlassen kann", sagte Steiger.
Koch wurde bei seinem Unfall in der „Wetten-dass“-Sendung in einem Bereich verletzt, der zu den komplexesten der menschlichen Anatomie zählt – an der Halswirbelsäule. Diese Region ist die Enge in der Sanduhr des Systems, durch die sämtliche Leitungsbahnen laufen: die Versorgung des Gehirns mit Blut und dessen Rückleitung, die Speise- und die Luftröhre, die Nervenbahnen, Kehlkopf, Schilddrüse, wichtigste Sehnen und Bänder.
Show must go on
ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut bekräftigte unterdessen, dass die ZDF-Show auch in Zukunft weitergeführt werde. "Es wird nach meiner Auffassung kein Ende von 'Wetten, dass..?' geben", sagte Bellut der "Berliner Zeitung". Bis zur nächsten Sendung im Februar in Halle sei ausreichend Zeit, alle Hintergründe zu erforschen, gemeinsam mit den beiden Moderatoren zu diskutieren und sich neu aufzustellen. Derzeit sehe es so aus, als würden Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker weiterhin als Moderatoren auftreten.
Gottschalk will vorerst nicht über die Zukunft von "Wetten, dass...?" nachdenken. "Im Moment interessiert nur das Schicksal meines Kandidaten", sagte er der "Bild"-Zeitung. Über sein eigenes Schicksal und das der Sendung werde er erst nachdenken, wenn Samuel über den Berg sei, sagte er weiter.
"Wetten, dass..?" auch ohne riskante Wetten möglich
Programmdirektor Bellut kann sich die Show auch ohne riskante Wetten vorstellen. "Der Reiz der Wetten bestand ja immer auch aus ihrem Grad an Geschicklichkeit und Intelligenz", sagte er. Entscheidend sei das Prinzip, dass normale Menschen sich etwas Besonderes ausdächten und dies vor einem Millionenpublikum zeigten.
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