Rund 200 Stellen betroffen: Sat.1 streicht Programm zusammen
zuletzt aktualisiert: 16.07.2007 - 21:53München (RPO). Die Magazine "Sat.1 am Mittag" und "Sat.1 am Abend" werden nach
Branchen-Informationen mit sofortiger Wirkung eingestellt. Bereits am Dienstag werden die Programme nicht mehr ausgestrahlt.Dem
Redaktionsteam von "Sat.1 am Mittag" wurde heute während der Sendung
mitgeteilt, dass es heute die letzte Ausgabe produziert habe. Ersetzt
wird die Sendung ab Dienstag durch Wiederholungen von "Richterin Barbara
Salesch". Zudem soll für die Spätnachrichten "Sat.1 News - Die Nacht"
Ende August Schluss sein.
Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes Michael Konken
kritisierte das Vorgehen der Geschäftsleitung als maßlos überzogen. So
gehe man nicht mit Beschäftigten um, die mit Engagement
Nachrichtenjournalismus machten, sagte er. Unmittelbar vor der
Hauptversammlung von ProSiebenSat.1 am
Dienstag sollten offensichtlich vollendete Tatsachen geschaffen werden.
Konken forderte die Verantwortlichen auf, die Einstellung der
betroffenen Sendungen sofort zurückzunehmen. Mit Blick auf die
Hauptversammlung appellierte Konken an den Verlag Axel Springer, als
Anteilseigner und Gründungsgesellschafter von Sat.1 seinen Einfluss auf
die Mitinhaber und Finanzinvestoren KKR und Permira im Sinne der
Beschäftigten geltend zu machen.
Unterdessen drohen die Medienwächter dem Sender mit Sanktionen: "Es kann
nicht sein, dass das Programm baden geht, um die Renditeziele der
Eigentümer zu erreichen", sagte der Direktor der Landesanstalt für
Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK), Manfred Helmes, der
"Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe). Seine Behörde hat
die Rundfunklizenz für den Hauptsender Sat.1 erteilt und überwacht die
Einhaltung der daran geknüpften Auflagen. Helmes betonte: "Wenn Sat.1
die Anforderungen an ein Vollprogramm nicht mehr erfüllt, müssen wir
über die Konsequenzen nachdenken." So könnte beispielsweise die bislang
vorrangige Einspeisung des Programms ins Kabelfernsehen wegfallen.
Wie es am Montag aus informierten Kreisen hieß, dürfte die Zahl der
insgesamt bedrohten Jobs unter 200 liegen. Verschiedene Medien hatten am
Wochenende unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, dass bis zu
300 Stellen gestrichen werden sollen. In anderen Medienberichten war von
rund 200 bedrohten Jobs an den Standorten Berlin und München die Rede.
Am Donnerstag soll in München ein Treffen mit allen
Betriebsratsvorsitzenden und der Geschäftsführung stattfinden.
Hintergrund der Entlassungen ist Medienberichten zufolge angesichts von
vier Milliarden Euro Konzernschulden der Renditedruck der neuen
Eigentümer KKR und Permira.
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