Auszeichnung in 21 Kategorien: Schaulaufen beim Deutschen Fernsehpreis
zuletzt aktualisiert: 21.10.2006 - 12:51Köln (RPO). Staraufgebot in Köln: Zur achten Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am Freitagabend erschien zahlreiche Prominenz - nicht nur aus der Branche. Ausgezeichnet wurde unter anderem das Team "Fußball-WM 2006 im ZDF" in der Kategorie "Beste Sportsendung". Doch bevor die Trophäe überreicht wurden, gab es das Schaulaufen auf dem roten Teppich.
"Man muss so alt werden, um so einen Preis zu bekommen", sagte der ehemalige WDR-Intendant Friedrich Nowottny sichtlich gerührt. "Ich danke allen, die mir eine Chance gegeben haben." Den Ehrenpreis der Stifter erhielt der 77-Jährige bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2006 aus den Händen von Bundespräsident Horst Köhler.
Köhler würdigte Nowottnys Verdienste für das Fernsehen: "Als Sie mit dem Bericht aus Bonn auf Sendung gingen, war die Fernsehwelt noch schwarz-weiß", sagte der Bundespräsident. "Doch bei Ihnen hatte man den Eindruck, man hätte schon Farbfernsehen." Nowottny habe komplexe politische Sachverhalte so verständlich dargestellt und hinterfragt, dass er sich "bleibende Verdienste um die politische Kultur unseres Landes" erworben habe.
Moderator Jörg Pilawa kam mit einer Tanzeinlage auf die Bühne und begrüßte hörbar außer Atem die Gäste der glamourösen Gala. "Zum achten Mal kommt das zusammen, was eigentlich gar nicht zusammen gehört", scherzte Pilawa über den gemeinsam von ARD, ZDF, RTL und Sat1 vergebenen Preis. WDR-Intendant Fritz Pleitgen sprach von einem "starken Fernsehjahr mit Produktionen, die Kraft und Kreativität unter Beweis stellen". Er setzte sich dafür ein, künftig auch Produktionen im Internet auszuzeichnen: "Die neue Zeit klopft nicht nur an, sie ist bereits da."
In 21 Kategorien wurde die begehrte Trophäe vergeben; hinzu kamen der Ehrenpreis sowie zwei Förderpreise. Die als Gastgeber fungierende ARD war mit neun Auszeichnungen erfolgreichster Sender, dahinter folgte das ZDF mit sieben Preisen. Auf die drei Privatsender Sat1, RTL und ProSieben entfielen zusammen fünf Auszeichnungen, die Dritten Programme der ARD bekamen einen Preis.
Pastewka trägt schwer am Preis
Mit "Dresden" wurde ein aufwändiger Zweiteiler über das Leiden der Zivilbevölkerung bei den Bombenangriffen von 1945 ausgezeichnet, den durchschnittlich zwölf Millionen Zuschauer im März verfolgt hatten. Die Fernsehpreise für die besten Schauspieler in Hauptrollen gingen an Dagmar Manzel für die Filme "Als der Fremde kam" (ARD) und "Die Nachrichten" (ZDF) sowie Jan Fedder für den ARD-Film "Der Mann im Strom". "Das 'n Hammer", kommentierte der begeisterte Fedder und bedankte sich mit einem selbst geschriebenen Gedicht.
Der wohl glücklichste Sieger des Abends war Comedian Bastian Pastewka. "Er ist sehr schwer, und er ist sehr kantig", urteilte er bei der anschließenden Party strahlend über den Preis, den er in der Kategorie "Beste Sitcom" abgeräumt hatte. "Und da steht mein Name drauf." Man habe das Format "Pastewka" diversen Sendern angeboten, ehe man in Sat1 einen Partner fand, erinnerte sich der Comedian: "Es war ein langer Weg."
Gemeinsam unschlagbar waren die Fernsehgrößen Günther Jauch und Hape Kerkeling. Sie gewannen mit dem Prominenten-Special von "Wer wird Millionär?" in der Kategorie "Beste Unterhaltungsendung" und schrieben den Sieg jeweils dem anderen zu: "Das ist ein Mannschaftspreis, bei dem der Verein für ein Gastspiel einen Stürmer mit Torgarantie verpflichtet hat", sagte Jauch über den als Lokaljournalist Horst Schlämmer bei ihm aufgetretenen Kerkeling. Der fand für Jauch ebenfalls lobende Worte: "Der Mann ist ein Hammer."
"Mit den Dispo in den Miesen"
Kurt Krömer widmete die Auszeichnung von "Bei Krömers" als Beste Comedy seiner Heimatstadt Berlin: "Wir sind mit dem Dispo ein bisschen in den Miesen gelandet", erklärte er in Anspielung auf die Finanzprobleme der Hauptstadt. "Das schaffen wir aber wieder." In der Kategorie "Beste Moderation/Information", in der sich Anne Will durchsetzte, waren drei Frauen nominiert, weshalb Laudator Peter Klöppel einräumte: "Frauen können pointiert argumentieren, kommen schnell zum Wesentlichen, und sie sehen meistens besser aus als wir Männer."
Um den Preis für die beste Sportsendung stritten nur Fußball-WM-Übertragungen, Sieger wurde das ZDF mit Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp und Urs Meier. Klopp nahm seinen Preis nicht persönlich entgegen. So verpasste der Bundesliga-Trainer auch die Einlage von Harald Schmidt, der bei seiner Laudatio in der Kategorie "Bestes Drehbuch" eine Filmszene im anschaulichen Stil von Klopps WM-Analysen erläuterte.
Schmidt war vor der Gala einer der bei Journalisten und Fans begehrtesten Gäste im Coloneum, in dem wegen des Besuchs des Bundespräsidenten diesmal strengere Sicherheitsvorkehrungen herrschten als in früheren Jahren. Auch bei der anschließenden Party gaben sich zahlreiche Stars und Sternchen zwischen Sushi und Garnelencocktails ein Stelldichein - unter ihnen Anke Engelke, Hugo Egon Balder, Wayne Carpendale und Jeanette Biedermann. Vor den Fernsehern verfolgten 4,67 Millionen Zuschauer die Verleihung, wie media control mitteilte.
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