Late-Night-Premiere beim neuen Sender: Schmidt macht Jauch zum Lieblingsopfer
VON RAINER KURLEMANN - zuletzt aktualisiert: 14.09.2011 - 12:14Düsseldorf (RPO). Harald Schmidt ist zurück – und es ist, als wäre er nicht weg gewesen. Manchmal erzählt er sogar (mit Absicht) die gleichen Witze. Natürlich muss er das eigene Comeback thematisieren. So wie er es vor der Sendung gemacht hat: „Der Einzige in Deutschland, der das Late-Night-Geschäft versteht“, sagt Harald Schmidt über sich.
Bei seiner Rückkehr zu Sat.1 hat er sich nicht angepasst und er hat dem Reiz widerstanden, krampfhaft ein neues Gag-Format zu suchen. Schmidt bleibt Schmidt. Die einzige Neuigkeit: Er singt jetzt, aber auch das hat Schmidt in den vielen TV-Jahren schon gemacht.
Seine Fans mögen vor allem die ersten 20 Minuten, wenn er gegen TV-Kollegen lästert: Anne Will kann endlich über ihren Sonntag bestimmen, schaut Fernsehen und muss sich übergeben. Günter Jauch gehören gleich mehrere Pointen.
Jauch und seine Millionenquoten, traumatisierte Schäferhunde als TV-Gäste, Jauch und die Medien, Jauchs Auftakt am Sonntag, das seltsame Lob von Peter Struck: Das sei doch toll für einen Journalisten, wenn ein Politiker nach der Sendung sagt, er habe das gut gemacht. Ein paar Sätze, die sitzen und Jauch ist das Ziel.
Quote
Der Marktanteil der Sendung, in der die Komiker Olli Dittrich und Hape Kerkeling zu Gast waren, lag nach Senderangaben bei 11,6 Prozent (1,39 Millionen Zuschauer), bei der werberelevanten Zuschauergruppe der 14- bis 19-Jährigen erreichte er 14,1 Prozent (0,83 Millionen Zuschauer).
Aber Dirty Harry ist bei seinem Start nicht in herausragender Form. Keine Spur davon, dass er ausgehungert ist und endlich wieder Fernsehen will. Schmidt hat sich sogar bedankt, dass er seit 16 Jahren Gast in den Wohnstuben der Zuschauer sein darf. Er vermeidet den Skandal. Er ist nicht besser geworden, er ist einfach nur zurück. Quotenjagd sieht anders aus. Bei Sat.1, dem Sender mit der „größten Insolvenz-Kompetenz“, startet Harald Schmidt gleich um 23.15 Uhr, da kann man ihn kaum noch nach hinten verschieben.
Für den Auftakt hat Harald Schmidt einen guten Gast: Hape Kerkeling. Beide witzeln über Samstagabend-Shows, machen Scherze mit Wetten und über den Hype um TV-Sendungen. Kerkeling kündigt zum Ende der Sendung eine Sensation an – natürlich ist es nicht die Nachfolge von Thomas Gottschalk. Die beiden machen Spaß und spielen sich die Pointen zu.
Der Auftakt von Harald Schmidt ist unterhaltsam, er bedient seine Fans. Wer Schmidt mag, wird schnell mit der neuen Sendung warm – neue Fans wird er so nicht gewinnen. Die ARD muss nicht weinen, dass sie den Chef-Zyniker des deutschen Fernsehens verloren hat. Ein großer Coup sieht anders aus.
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