So lief die letzte Ausgabe: Schmidt und Pocher senden Testbild
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 03.04.2009 - 01:37Düsseldorf (RPO). Das war’s. Die letzte reguläre Ausgabe von Schmidt & Pocher. Die zwei Humoristen, die sich in anderthalb Jahren nie so gegenseitig beflügelt haben wie erhofft, quasselten sich mehr oder minder desinteressiert durch eine langatmige Show. Wer bis zum Schluss durchhielt, bekam in den letzten Minuten zumindest noch einen Zuschauer-Eklat und eine erstklassige Schlusspointe serviert.
"Das deutsche Fernsehen beendet nach dieser Sendung sein Programm, das war's", schnauzte Schmidt zum Abschied der Zeit mit Pocher in die Kamera. Es folgte: das ARD-Testbild. Ein Motiv aus dem letzten Jahrhundert, begleitet von einem hohen Piepton, der noch vielen TV-Zuschauern bekannt sein dürfte, die die Zeit vor den Privaten miterlebt haben.
Die letzte reguläre Sendung beginnt mit Verspätung. 23.18 Uhr. Oliver Pocher macht die Gags zum Einstieg. Es bleibt bei der Rollenverteilung. Pocher kümmert sich wie üblich um die flachen Themen. "Gestern Boxen gesehen? Poldi gegen Ballack?" Ein bisschen Haue für Franjo Pooth und Mario Barth, ein paar parodistischen Einlagen. Leicht, flockig, aufgeräumt und wohl ein Vorgeschmack auf seine Moderationen bei Sat.1.
Schmidt und Pocher wie Beamte
23.22 Uhr. Schmidt folgt. Er ist zuständig für die Gags zu Finanzkrise und Gipfel-Woche. "Höchste Zeit, dass die Nato nach Baden-Baden kommt, denn der Russe ist schon seit zehn Jahren da – und residiert in den besten Hotels." Na ja. Anschließend geht's rüber auf den Arbeitsplatz hinter den Schreibtisch, auf Eck der Kollege Pocher.
Schon bald verfestigt sich der Eindruck, dass hier zwei abgebrühte Talker nur noch ihre letzten Stunden absitzen. Pocher und Schmidt wie auf dem Amt. Es fehlt nur noch das Schild mit dem Spruch "Wir sind hier auf der Arbeit, nicht auf der Flucht". Thema des Gespächs: Der Wechsel von Pocher, seine neue Show, die Produktionsfirma dahinter, seine Gäste, seine Ideen. Das alles auf die frotzelnd-ironische Art, die Schmidt und Pocher über anderthalb Jahre kultiviert haben.
Oli goes to Sat.1
Gefragt nach seinem Konzept für die neue Sat.1-Show antwortet Pocher: "Ich nehm' das Beste von hier mit." Eine Steilvorlage für Schmidt mit vorhersehbarer Endung: "Wieso? Ich bleibe", sagt der natürlich. Der Band-Einspieler übertönt die wenigen müden Lacher. Irgendwann merkt Pocher gegenüber den Zuschauern an, das alles sei vielleicht ein bisschen langweilig, aber für die beiden Moderatoren doch ziemlich interessant. Später sagt Schmidt, die beiden hätten schon sechs Gags verquatscht, die werde er mit in seine neue Show nehmen. Eigenwerbung sieht anders aus.
Eine Viertelstunde dauert die Quasselei zwischen zwei Männern, die sich allem Anschein nach schätzen gelernt haben, aber auch alles andere als traurig sind, dass die Wege nun auseinander gehen. Dann - endlich - kommt Abwechslung. Ingolf Lück darf als Show-Gast auf die Bühne. Ihm fehlt jedoch nichts Besseres ein, als Pocher-Sat.1-Witze zu reißen. Nun macht sich endgültig Ödnis breit. Lück twittert an Ashton Kutcher: "Hello Ashton, Oli goes to sat.1."
"Noch sieben Minuten"
Die Einspieler kommen zu spät, um die Sendung noch retten zu können. Um 23.50 Uhr versucht die Schmidt-Pocher-Figur Dr. Udo Brömme, sich in der Kölner Fußgängerzone im Wahlkampf als potenzieller Nachfolger von OB Fritz Schramma zu empfehlen. Später zieht ein Filmchen den neuen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg durch den Kakao. Aber: Es hilft nicht. Zwischen Pocher und Schmidt läuft anschließend gar nichts mehr. Gags über ihre Kontakte mit dem Bunte-Reporter Paul Sahner enden im Schweigen.
"Kommen wir zum spielerischen Teil", will Schmidt die Nullnummer übergehen. - "Schaffen wir das überhaupt noch?", erwidert Pocher. "Wieso?" - "Noch sieben Minuten." Schmidt und Pocher haben alles verbrabbelt. Trotzdem suchen sie im Studiopublikum noch Freiwillige für ein Nationen-Spiel zum G-20-Gipfel in London.
Flasche leer
"Scheiß Italien", sagt einer der Kandidaten beim Verteilen der lustigen Hütchen mit den Flaggen der Länder. "Wieso?", fragt Schmidt. Schweigen. Die radikale Reaktion überrascht alle. "Das ist mir zu blöd", sagt Schmidt und bricht ab. Die Gruppe der Freiwilligen steht wie ein Haufen begossener Pudel im Studio. Viele grinsen peinlich berührt. Pocher lacht sich kaputt. Es folgen eine Showeinlage der steppenden Nazis aus dem Mel-Brooks-Musical "The Producers", anschließend ein kurzer Gruß und das Testbild.
Dass von dieser letzten regulären Sendung der zwei Komiker höchstens das Testbild in Erinnerung bleiben dürfte, liegt an diesem Abend nicht an der Kombination Schmidt-Pocher, von der so viele sagen, dass sie niemals richtig funktioniert hat. Dieser Abend gehörte einfach in die Rubrik Flasche leer.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich die zwei zur Best-Of-Ausgabe in einer Woche zumindest noch einmal zusammenreißen. Andernfalls sollten sie es sich lieber sparen. Lieber eine Woche früher mit dem Sammeln neuer Spiellaune beginnen. Übrigens: Wie originell und aberwitzig Late-Night-Talk sein kann, zeigte unmittelbar darauf der unvergleichliche Kurt Krömer mit seinen Gästen Martin Semmelrogge und Stefan Kretzschmar.
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