TV-Tipp für den Dienstag: Sebastian Haffners Ringen mit Hitler
VON MARTINA STÖCKER - zuletzt aktualisiert: 22.01.2013 - 16:32Düsseldorf (RP). Die szenische ZDF-Dokumentation zur Machtergreifung basiert auf der "Geschichte eines Deutschen". Der Sender strahlt den Film "Mein Kampf mit Hitler" am Dienstag um 20.15 Uhr aus.
Es ist bitter, aber schon nach wenigen Monaten kapituliert Sebastian Haffner. "Ich stelle den Kampf ein", sagt der Jura-Student. Der Gegner des 25-Jährigen heißt Adolf Hitler.
Haffner weiß, was auf ihn zukäme, würde er weiter die Konfrontation mit den Nationalsozialisten suchen: erst Berufsverbot, dann Gefängnis oder Konzentrationslager. Eines Tages, wenn der Nazi-Spuk vorüber wäre, würde man sich seiner erinnern und ihm dann ein Denkmal bauen. "Aber ich will leben und Zeugnis ablegen", sagt Sebastian Haffner.
In seinen posthum erschienenen Erinnerungen "Geschichte eines Deutschen" schilderte der Journalist seine Abscheu gegen das NS-Regime, die innere Zerrissenheit zwischen seinen moralischen Ansprüchen und der korrumpierenden Wirkung des politischen Systems.
TV-Tipp
"Mein Kampf mit Hitler", ZDF, 20.15 Uhr
Auf diesem Buch, das ein Bestseller wurde, basiert die szenische Dokumentation, mit der das ZDF heute Abend an Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 erinnert. Der Film von Peter Adler und Gordian Maugg schildert die Machtübernahme der Nationalsozialisten vor 80 Jahren aus der Sicht des jungen Rechtsreferendars.
Ludwig Blochberger spielt Sebastian Haffner, Michael Mendl seinen Vater, der die Nazis unterschätzt und dann zu einem Bekenntnis zu den neuen Machthabern gezwungen wird, weil er sonst als Beamter seine Pension verlieren würde.
Spielszenen wechseln sich mit historischen Aufnahmen ab: Sebastian Haffner verliebt sich in eine jüdische Frau, sein bester Freund ist Jude und muss emigrieren. Dazwischen zeigen zeitgenössische Sequenzen Ereignisse wie den Reichstagsbrand, den Boykott jüdischer Geschäfte oder eine Rede von Roland Freisler, dem späteren Präsidenten des Volksgerichtshofs.
Für das ZDF ist der Film ein Experiment. Die Ich-Perspektive, so heißt es, soll dem Zuschauer ein Gespür dafür vermitteln, wie ein junger Mensch, der Hitler eigentlich ablehnt, sich dennoch nach und nach mit den Verhältnissen arrangiert. Ein gelungenes Experiment.
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