Tatort-Kommissar und PDS-Kandidat: Sodanns Sendepause
zuletzt aktualisiert: 05.07.2005 - 06:22Hannover/Berlin (rpo). Der Mitteldeutsche Rundfunk will keine Sendungen mit Schauspieler Peter Sodann mehr ausstrahlen, wenn dieser in den Bundestag gewählt werden sollte. Der "Tatortkommissar" tritt in Sachsen als Spitzenkandidat für das Linksbündnis aus PDS und WASG an. Die Sendepause soll so lange gelten, wie Sodann im Bundestag sitzt.
"Wenn jemand ein Mandat hat, dann ruht in dieser Zeit sein Arbeitsverhältnis mit dem Sender", sagte MDR-Intendant Udo Reiter am Dienstag zu "Focus Online". "Wir werden es halten wie andere ARD-Anstalten in vergleichbaren Fällen. " Reiter räumte zugleich ein, dass es einen solchen Fall bislang noch nicht gegeben habe, weshalb es auch keine formale Regelung gebe.
Die Sodanns Kandidatur hatte unter Politikern von SPD, CDU und Grünen für Aufregung gesorgt. Den Politikern ging das bereits gegen Sodann verhängte "Bildschirmverbot" für die sechs Wochen vor der für den 18. September geplanten Neuwahl zum Bundestag nicht weit genug. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) bedauerte Sodanns Entscheidung, als parteiloser Kandidat auf der offenen Liste der PDS zu kandidieren.
"Bildschirmabstinenz üben"
Sachsens Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau erklärte gegenüber dem Blatt, die Arbeit eines Parlamentariers sei auch zeitlich nicht mit einem Engagement als Fernsehschauspieler vereinbar: "Wenn Peter Sodann so tut, als könne er nebenbei noch Schauspielerei treiben, nimmt er sein Bundestagsmandat zu leicht dann ist das vor allem nicht ehrlich". Roland Wöller, medienpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im sächsischen Landtag und CDU-Vertreter im MDR-Rundfunkrat, forderte Sodann auf, "von jetzt an Bildschirmabstinenz" zu üben.
Thierse sagte am Montagabend im Fernsehsender N24, Sodann sei ein "sympathischer Schauspieler und ein sympathischer Mann". Er verfüge aber nicht über die erforderlichen Antworten, um in einer Welt des dramatischen Wandels soziale Politik zu machen. Statt als PDS-Kandidat sei ihm Sodann als Kommissar und Intendant lieber, erklärte Thierse.
Die ARD wird in den Wochen vor der Bundestagswahl keine "Tatort"-Folgen mit Sodann als Kommissar zeigen. Eine MDR-Sprecherin verwies gegenüber dem "Tagesspiegel" auf eine ARD-Regelung, wonach Fernsehmitarbeiter, die für politische Ämter kandidieren, sechs Wochen vor einer Wahl "Bildschirmverbot" hätten.
Zwei Wiederholungen betroffen
Die bereits abgedrehte "Tatort"-Folge mit Sodann laufe aber erst am 30. Oktober, so dass nur zwei Wiederholungen im NDR und RBB betroffen seien. Für den Fall, dass Sodann in den Bundestag einziehen sollte, stehe noch nicht fest, wie sich der MDR weiter verhalte.
Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper zeigte sich enttäuscht über Sodanns Entscheidung, als parteiloser Kandidat auf der offenen Liste der PDS zu kandidieren. "Peter Sodann lässt sich als Schaubühne für abgehalfterte Politiker missbrauchen", sagte sie der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung".
Die parteilose Kulturstaatsministerin Christina Weiss sagte, sie sei "schockiert". Auf Anfrage des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" kommentierte sie das politische Engagement des Schauspielers mit den Worten "Schleichwerbung, jetzt auch im Tatort!". Sodann solle "seinem Vorbild Arnold Schwarzenegger folgen und während des Wahlkampfes auf fiktionale Fernsehpräsenz verzichten".
Sodann wurde in der DDR wegen staatsfeindlicher Hetze verhaftet, vom Schauspielstudium ausgeschlossen und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. 1963 schrieb er sich wieder an der Theaterhochschule in Leipzig ein. Sein erstes Theaterengagement führte ihn 1964 ans Berliner Ensemble zu Helene Weigel. In Ostdeutschland ist Sodann populärer als jeder Landespolitiker.
Wegen seiner Rolle als "Tatort"-Kommissar Bruno Ehrlicher ist er auch bundesweit bekannt. Erst am Wochenende wurde der 69-Jährige als Intendant des Neuen Theaters in Halle verabschiedet.
Am Montag sagte er im Beisein von WASG-Spitzenkandidat Oskar Lafontaine und PDS-Chef Lothar Bisky in Berlin, wenn er dazu beitragen könne, dass die Linke in den nächsten Bundestag einzieht, würde ihn das freuen. Er fügte hinzu: "Ich war schon immer ein politischer Mensch."
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