"Wetten, dass...?" in Freiburg: Sogar Hunziker verging zeitweise das Lachen
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 04.10.2009 - 00:02Düsseldorf (RPO). Zu Beginn der "Wetten, dass..?"-Ausgabe von Freiburg stand alles im Zeichen von Michelle Hunziker. Die 32-Jährige sollte neuen Pep in die schwächelnde Sendung bringen. Und zugegeben: Sie kann sehr wundervoll lachen. Aber selbst das nicht immer. Auch Hunziker konnte den Untergang des Samstagabends im öffentlich-rechtlichen Klamauk nicht aufhalten.
Zunächst kam nur Moderator Thomas Gottschalk auf die Bühne. Ganz in grau, mit schwarzer Krawatte und eher zurückhaltend bat er sogleich den neuen Hoffnungsträger hinzu. Hunziker kam in einem knapp geschnittenen weißen Kleid, zeigte endlos lange Beine und ein unwiderstehliches Lachen. Die Zuschauer in Freiburg jubelten frenetisch.
Ein bisschen nervös wirkte die eigentlich erfahrene Medienfrau, als sie da neben TV-Dino Gottschalk etwas unkoordiniert ins Publikum winkte. Etwas dünn die Stimme im direkten Vergleich mit dem sonoren Tommy. Aber sei's drum, Hunziker ist ja auch nicht als gleichrangige Co-Moderatorin gefragt. Ihr Aufgabenspektrum war bereits vorab klar umrissen: Die frühere "Deutschland sucht den Superstar"-Moderatorin soll vielmehr die Kandidaten und ihre Wetten präsentieren. Der Rest ist Lachen, Strahlen, Assistieren. Selbst das kann sie, das Multi-Talent. Hunziker - ein fröhliches Extra-Bonbon.
Die Couch ist wieder knuddelig
Noch bei der Begrüßung fängt Gottschalk gleich die Vorab-Kritiker ein, die mit der doppelten Blondinenbesetzung Dauergeknutsche und Geknuddel in der Sendung erwarteten. "Wie lange dauerte es, bis er sich an sie ranschmeißt?", fragt er, zählt bis drei - und wirft sich seiner neuen Schönen in die Arme.
Der Rest ist so wie man das von "Wetten, dass..?" seit Jahren kennt. Tolle Gäste und internationale Top-Stars auf der Bühne. An diesem Abend begrüßt Gottschalk auf dem Wettsofa auch den omni-präsenten Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ("bin durchaus technobegeistert") mit Ehefrau Stephanie, Comedian Oliver Pocher und "Wickie"-Regisseur Michael "Bully" Herbig. Schauspielerin Veronica Ferres stellte ihren neuen Kinofilm "Unter Bauern - Retter in der Nacht" vor, Sebastian Koch machte Werbung für den ZDF-Zweiteiler "Der Seewolf". Auf der Bühne – heftig umkreischt – posierten Tokio Hotel, die wieder auferstandene Whitney Houston und Nelly Furtado.
Hunziker trägt Gummi
"Business as usual" also, Albernheiten und peinliche Vertraulichkeiten inklusive. Im Fokus stand umso mehr der Auftritt Hunzikers. Sie fügte sich nahtlos ein in das bunt-alberne Treiben. Als Beispiel mag ihr erster Betreuungseinsatz beim Wettkandidaten Nr. eins dienen: Der durfte zunächst ein wenig Bussis austauschen und sich anschließend mit grellen "Du schaffst das"-Rufen von ihr anfeuern lassen, als er volle Wasserflaschen umzupusten versuchte.
Schwerer hatte es Hunziker da schon mit Kandidat Nummer zwei und dessen irritierendem Versuch, Frauen am Geruch zu erkennen: Der Kandidat versenkte dazu seine Nase zu Hunzikers sichtbarem Entsetzen tief in frisch getragene Gummistiefel, die die zu erratenden Damen zuvor eine halbe Stunde lang durch eifriges Tanzen mit Schweiß gefüllt hatten - angetrieben natürlich von Hunziker. Höchstpersönlich hatte die Wetten-dass-Hoffnung sich dazu passend und wahrscheinlich selbstironisch in blau-grüne Gummistiefeln gepresst und mit auf die Tanzfläche gesellt.
"Sonst bist du völlig in Ordnung?"
Für Gottschalk bot die auf den ersten Blick etwas pervers anmutende Szene eine Steilvorlage zum Sprücheklopfen. "Der erste Fußpilz an der Nase“, stänkerte er über den "furchtlosen Mann"- und erntete damit großes Gelächter im Publikum. "Werde gleich ohnmächtig hier", versuchte Hunziker mit der Gag-Dichte Schritt zu halten, scheiterte damit aber kläglich. Besser nicht.
Gottschalk hingegen ließ es sich nicht nehmen, sogar eine ernsthaft anmutende Frage zu riskieren: "Sonst bist du völlig in Ordnung?", interessierte sich der Moderator und sprach damit so manchem Zuschauer aus dem Herzen, so abgründig wirkte der Schnüffel-Kandidat. Dass später ein anderer scheinbar mühelos zehn Briefmarken mit einem gezielt abgeseilten Speichelfaden und ohne Zuhilfenahme der Hände in eine Schale befördern würde, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen.
Hunziker verabschiedete sich als Kandidaten-Patin auch einmal aus dem Saal. Außenwette. "Leider kann ich kein isländisch", erklärte sie dem Publikum, als sie den Wettkandidaten begrüßte, der mit einem 1,5-Tonnen-Vehikel auf vier Rädern 300 Meter übers Wasser fahren wollte. Damit scheiterte der Auto-Fan zwar, lieferte aber immerhin spektakuläre Bilder, als er mit seinem Riesengefährt übers Wasser bretterte. Hunziker hatte sich eigens eine Schutzbrille und einen blauen Helm aufgesetzt. Und: Auch die lustigen Gummistiefel trug sie noch. Zuvor hatte sie wieder einmal ihr fröhliches Lachen gelacht, als Gottschalk sich erkundigte, ob der Kandidat denn wisse, dass die Gewässer in Deutschland wohl nicht so oft zugefroren seien wie in Island. Ach, wie schön kann Fernsehen sein.
Pocher trifft ins Schwarze
Und die Bilanz? Für ein echtes Highlight der Sendung war Hunziker wohl zu viel formschöne Glücksrad-Assistentin. An nachhaltigen Eindrücken bleiben zwei Ekel-Wetten mit Einsatz von Fußschweiß und Speichel. Kein echtes Kompliment für eine große Samstagabend-Sendung. Die richtige Antwort auf den "Wetten, dass..?"-Klamauk gab wohl ausgerechnet Pöbel-Komiker Oliver Pocher. Der hatte sich kurzzeitig bereit gemacht, es dem Briefmarken-Spucke-Kandidaten gleichzutun. Bis zum Speichelsammeln und um Konzentration-Bitten kam er, dann ließ er lachend davon ab und fragte in die Kameras: "Wollen Sie das wirklich sehen?"
Wettkönig wurde übrigens der Schweizer Daniel Markwalder, der mit einem Fahrrad Baujahr 1910 den Rad-Profi Jens Voigt im 200-Meter-Sprint hinter sich ließ.
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