ZDF-Zweiteiler überzeugt erst zum Schluss: Spannender Untergang der Wilhelm Gustloff
VON SEBASTIAN BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 03.03.2008 - 22:11Düsseldorf (RPO). Zu Beginn des zweiten Teil ließ das ZDF endlich die Leinen los, und die Wilhelm Gustloff fuhr ihrem Untergang entgegen. Langweilte der erste Teil die Zuschauer noch mit emotionslosen Szenen vor dem Auslaufen des Schiffes in Gotenhafen, gelang Regisseur Joseph Vilsmaier am Montagabend eine packende Schilderung der historischen Ereignisse im Januar 1945.
Kurz nach dem Auslaufen des Schiffs sind viele Passagiere erleichtert. "Wir sind auf der Gustloff" sagt die schwangere Marianne Erdmann (Anja Knauer) und ist froh. Doch die Besatzung ist nervös: Überall wittert Harald Kehding (Heiner Lauterbach) eine Sabotage und lässt verdächtige Personen aufspüren. Ins Visier gerät auch die Verlobte seines Bruders, Erika Galetschky. Erstmals kommt bei der Fahndung so etwas wie Spannung auf.
Auf der Brücke erreicht der Konflikt zwischen Korvettenkapitän Petri und dem zivilen Fahrkapitän Hellmut Kehding derweil seinen Höhepunkt: Ein unverschlüsselter Funkspruch kündigt einen entgegenkommenden Minensuchverband an. Kehding hält die Meldung für eine Fälschung und weigert sich, die Positionslichter einzuschalten. Der Korvettenkapitän setzt sich gegen den Widerstand des von ihm als naiv eingestuften Kehdings durch und lässt das Schiff beleuchten. Für den Zuschauer, der unweigerlich Position für den viel sympathischeren Kehing bezieht, ist damit klar: Das lauernde sowjetische U-Boot wird die Gustloff versenken. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.
Am Ende geht alles sehr schnell - und wird doch packend erzählt: Drei Torpedos treffen das riesige Schiff und der Stolz der deutschen Marine sinkt innerhalb einer Stunde. Die Menschen kämpfen ums Überleben, und der Zuschauer fiebert mit. Wider Erwarten überleben nur wenige der zuvor eingeführten Personen. Der zivile Kapitän Kehding und seine Verlobte Erika sehen sich erst am Hafen wieder, die schwangere Marianne und Lilly Simoneit erfrieren.
Kehding will sich nicht damit abfinden, dass die Verantwortlichen niemals zur Rechenschaft gezogen werden. Doch an einer Aufklärung hat die Kriegsmarine kein Interesse. Bleibt die Frage, warum der erste Teil so langweilig sein musste.
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