Ehrenpreis für Dietmar Schönherr: Stars und Sternchen beim Fernsehpreis
zuletzt aktualisiert: 16.10.2005 - 22:20Köln (rpo). Für alle, die im deutschen Fernsehen eine Rolle spielen, war der Deutsche Fernsehpreis ein Pflichttermin: Stars und Sternchen stolzierten vor der Verleihung über den Roten Teppich vor dem Kölner Coloneum. Doch die wirklichen Stars waren die Preisträger, darunter Sebastian Koch und Dietmar Schönherr.
"Dieser Preis ist ein Preis für ein besonderes Leben, für einen besonderen Menschen." Minutenlanger stehender Applaus begleitete nach diesen Worten Iris Berbens den 79-jährigen Dietmar Schönherr auf die Bühne, der beim Deutschen Fernsehpreis 2005 mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk geehrt wurde und sich mit Tränen in den Augen bedankte.
Großer Abräumer bei der siebten Verleihung der begehrten Auszeichnung war am Samstag im Kölner Coloneum das ARD-Drama "Marias letzte Reise" - ein anrührendes Werk über Tod und Sterbebegleitung, das in der Königskategorie "Bester Fernsehfilm" und drei weiteren Sparten gewann.
Nur einen Preis gab es hingegen für das meistnominierte Werk "Hotte im Paradies" für die "Beste Nebendarstellerin" Birge Schade. Weitere Auszeichnungen gingen unter anderem an Sebastian Koch als Hauptdarsteller in dem herausragenden Film "Speer und Er", an die Erfolgscomedy "Schillerstraße" mit Cordula Stratmann und die Sitcom "Nikola" mit Mariele Millowitsch und Walter Sittler.
Moderiert wurde die Verleihung vor rund 1.600 geladenen Gästen von Anke Engelke und Hugo Egon Balder. "Unser Respekt gilt allen Nominierten. Ob ihr gewinnt oder nicht, ihr seid die Größten", sagte Engelke. Vergeben wurde die Trophäe in 23 Kategorien - neu dabei die Auszeichnungen für die "Beste Krimi-Reihe", die an "Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel" ging, und für die "Beste Tägliche Serie", die sich das Team der Sat1-Telenovela "Verliebt in Berlin" abholte.
Dazu kamen zwei mit je 15.000 Euro dotierte Förderpreise und der Ehrenpreis. Erfolgreichster Sender war wie schon im vergangenen Jahr die ARD mit diesmal sechs Preisen und zwei Beteiligungen vor dem ZDF mit fünf Auszeichnungen und zwei Beteiligungen.
Jubel von Moritz Bleibtreu für seine Mutter
Ehrenpreisträger Schönherr war sichtlich gerührt, als er seine Trophäe aus den Händen von Iris Berben entgegennahm. "Wir ehren damit einen der größten Fernsehpioniere, seit die Bilder laufen können", hatte diese in ihrer Laudatio auf den Schauspieler und früheren Moderator und Talkmaster gesagt - "aber auch einen Menschen, der sich stets da eingesetzt hat, wo es klemmt".
Schönherr sprach von einem "wunderbaren Preis" und erklärte, nach seiner früheren Kritik am deutschen Fernsehen sei er inzwischen zu dem Schluss gekommen: "Es ist das beste der Welt."
"Marias letzte Reise" wurde neben dem Preis als "Bester Fernsehfilm" auch für Hauptdarstellerin Monica Bleibtreu in der Rolle der sterbenden Bäuerin Maria ausgezeichnet. Deren selbst erfolgreich schauspielernder Sohn Moritz Bleibtreu jubelte im Publikum voller Begeisterung, als seine Mutter auf die Bühne stieg und sich die Auszeichnung abholte.
"Ich habe eine winzige Minute, um ein riesiges Dankeschön zu sagen", sagte diese und wandte sich vor allem an das Team des Filmes: "Eine solche Rolle kriegt man nicht alle Tage." Zudem erhielt "Marias letzte Reise" Preise für Nebendarsteller Michael Fitz und die Musik von Annette Focks.
Harald Schmidt als Laudator
Gleich zwei Auszeichnungen hatte Late-Night-Talker Harald Schmidt zu vergeben für die "Beste Informationssendung" und "Beste Moderation Information". Schmidt beschrieb in seiner Laudatio launig den Weg einer Nachricht vom Journalisten in die großen Sender und wie sie dort für Hektik sorge, durch die Nachrichten wirbele und Sondersendungen auslöse: "Nur die ARD sendet weiter Tierfilme."
Tatsächlich gingen denn auch beide Preise an das ZDF: Claus Kleber durfte die Auszeichnung für die Moderation des "heute journal" mitnehmen, beste Informationssendung wurde "Fall Deutschland" von "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust und "Frontal 21"-Redaktionsleiter Claus Richter, eine Kooperation des ZDF mit "Spiegel TV".
Eine schöne Show-Einlage lieferten Stefan Raab, Helge Schneider und Raabs Casting-Entdeckung Max Mutzke, die sich als Swing-Trio mit Big-Band präsentierten. Die wohl ausgelassenste Begeisterung zeigte Wigald Boning, der anlässlich der Auszeichnung von "clever! Die Show, die Wissen schafft" als "Beste Unterhaltungssendung" mit Moderationspartnerin Barbara Eligmann einen wilden Freudentanz zur Bühne unternahm.
Wohl kaum einer habe sich vorher denken können, "dass Wigald Boning und ich zusammen eine Sendung machen und dafür auch noch einen Preis bekommen", kommentierte Eligmann. Daher hatte sie vorher auf dem Roten Teppich schon gestanden, für alles vorbereitet zu sein: "Ich hab' mich schon ganz lang geübt im fröhlich gucken, wenn andere den Preis kriegen."
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