NDR: Stasi-Vorwürfe gegen Boßdorf beschäftigen Justiz
zuletzt aktualisiert: 13.01.2006 - 17:01München (rpo). Noch in diesem Monat wird die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung zwischen dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) und ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf wegen dessen Stasi-Vergangenheit die Justiz beschäftigen. Wie Boßdorfs Anwalt Peter-Michael Diestel am Freitag sagte, wird es in der zweiten Januarhälfte eine Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Hamburg geben.
Boßdorf sollte eigentlich im März neuer NDR-Sportchef werden. Der Verwaltungsrat des Senders beschloss aber Mitte Dezember nach neuen Stasi-Vorwürfen gegen Boßdorf, diesen nicht als Sportchef einzustellen. Dagegen hatte der Journalist Klage eingereicht.
Auch die ARD wird sich noch einmal mit den Stasi-Vorwürfen befassen. Am Donnerstagabend erhielt die ARD einen von ihrem Vorsitzenden Thomas Gruber angeforderten wissenschaftlichen Bericht über die Vorgänge um Boßdorf, wie Sendersprecher Rudi Küffner sagte. Dieser werde nun an alle ARD-Intendanten weitergeleitet. NDR-Sprecher Martin Gartzke betonte allerdings, an der Entscheidung des NDR werde sich durch den Bericht nichts ändern.
Bei der ARD werden sich laut Küffner nun die Juristen mit dem Gutachten beschäftigten. Zum Inhalt des umfangreichen Berichts des Berliner Stasi- und SED-Forschers Jochen Staadt äußerte er sich nicht.
"Wir wollen nichts präjudizieren", betonte Küffner. Jeder der Intendanten solle sich sein Urteil bilden. Man werde sich aber bemühen, zeitnah eine gemeinsame Stellungnahme und Gesamtbewertung hinzubekommen.
Gegen Boßdorf, der im Januar 2002 schon einmal wegen seiner angeblichen Stasi-Vergangenheit in die Kritik geraten war, waren Anfang Dezember 2005 neue Stasi-Vorwürfe aufgetaucht. Demnach soll der Journalist Ende der 80er Jahre als Journalistikstudent in Leipzig für die DDR-Auslandsspionageabteilung HVA westdeutsche Studenten ausgespäht haben. Boßdorf selbst hatte Kontakte zur Stasi eingeräumt, aber beteuert, er habe keine Verpflichtungserklärung unterschrieben.
ARD-Programmdirektor Günter Struve hatte seinerzeit mit Befremden auf die Ankündigung des NDR regiert, den mit Boßdorf bereits unterzeichneten Vertrag aufheben zu wollen. Gruber hatte darauf verwiesen, dass der NDR-Beschluss "keine präjudizierende Wirkung auf ARD-Ebene" habe und eine eigene Prüfung der Vorgänge angekündigt.
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