Musicals fallen aus: Streiks legen Broadway lahm
zuletzt aktualisiert: 11.11.2007 - 11:01New York (RPO). Nach den Drehbuchautoren streiken nun in den USA auch die Bühnenarbeiter am Broadway. Dutzende Musicals und Theaterstücke fielen aus. Am Samstag traten die Arbeiter in den Ausstand. Alles deutet auf einen längeren Arbeitskampf hin.
Die Streiks legten am Wochenende gleich zwei Herzstücke der US-Unterhaltungsindustrie lahm. Tausende enttäuschte Besucher aus aller Welt erfuhren am Samstag erst im letzten Moment vom Ausfall der Stücke "Phantom der Oper", "Les Misérables" oder "Monty Python's Spamalot" an den New Yorker Theatern, derentwegen sie zum Teil extra angereist waren. Seit Beginn des unbefristeten Streiks der Drehbuchschreiber müssen sich zahlreiche US-Fernsehsender mit Wiederholungen durchschlagen. Die berühmten Talkshows von Jay Leno und David Letterman mussten eine Zwangspause einlegen.
Vor dem Broadway-Theater Majestic, wo normalerweise das "Phantom der Oper" gezeigt wird, bildeten sich lange Schlangen. "Das ist unser erster Besuch in New York, und wir wollten unbedingt ein Stück am Broadway sehen", sagte Kim Nilsson aus Kalifornien enttäuscht. "Alles war um diesen Abend herum geplant." Die achtjährige Audrey Klompstra aus Kanada war den Tränen nahe. "Heute ist ihr Geburtstag, und sie wollte das 'Phantom der Oper' sehen, das sie im Fernsehen gesehen hatte", erklärte ihre Mutter Krista. An den meisten Bühnen blieb der Vorhang geschlossen, einige wenige, deren Bühnenarbeiter nicht Mitglieder der Gewerkschaften sind, wurden jedoch regulär bespielt.
"Dies ist ein trauriger Tag für den Broadway", sagte Charlotte Saint Martin, Leiterin des US-Theater- und Produzentenverbandes, mit dem die Gewerkschaften seit Juni vergeblich Tarifverhandlungen führen. Die Bühnenarbeiter wollen laut dem Verband vor allem eine Lohnerhöhung durchsetzen. Saint Martin bezifferte den wirtschaftlichen Schaden des Streiks auf umgerechnet 11,5 Millionen Euro pro Tag.
Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg warnte: "Auch wenn es sich bei dem Streit um eine private Angelegenheit handelt, sind die wirtschaftlichen Auswirkungen öffentlich und werden weit über die heute geschlossenen Theater hinaus zu spüren sein." Die Musical-Aufführungen gehören zu den Hauptattraktionen der Stadt; in der Saison 2006/2007 zählte der Theaterverband 12,3 Millionen Zuschauer.
Der Broadway wurde zuletzt 2003 durch einen viertägigen Streik der Musiker lahmgelegt. Davor hatte es 28 Jahre lang keinen Arbeitskampf an den weltberühmten Theatern gegeben.
In Hollywood dauerte der Streik der Drehbuchautoren an. Am Freitag (Ortszeit) gingen in Los Angeles vor den Fox Studios mehr als 3000 Film- und Fernsehautoren auf die Straße. Es war die größte Kundgebung seit Beginn des Streiks am Montag. Die Autorengewerkschaft WGA fordert eine Beteiligung an DVD-Tantiemen sowie an den Einnahmen bei Medien wie Internet und Mobilfunk.
Zahlreiche Stars, unter ihnen "Desperate Housewives"-Darstellerin Eva Longoria, Serien-Schauspielerin Julia Louis-Dreyfus ("Seinfeld") sowie Darsteller und Produzent Kelsey Grammer ("Cheers") stärkten den kreativen Köpfen der Fernsehproduktionen den Rücken. Beliebte Serien wie "Desperate Housewives" mussten nach der Verfilmung des letzten vorliegenden Drehbuchs eine Zwangspause einlegen. Der Streik kann nach Expertenschätzungen Monate dauern und Schäden von Hunderten Millionen Dollar verursachen.
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