Liebe und Intrige im TV: Sucht nach dem Happy End
zuletzt aktualisiert: 11.11.2004 - 10:58Berlin (rpo). Die Welt ist schlecht, irgendwie. Auf der Suche nach Glück, Liebe, heiler Welt und Harmonie, kurz Friede, Freude, Eierkuchen, bleibt da vielen nur noch das Fernsehgerät. Die Sender haben sich darauf eingestellt, dass der Zuschauer immer mehr nach einem Happy End verlangt. Und auch davor darf es ruhig schön schnulzig zugehen. So zeigt das ZDF eine tägliche Telebnovela und das Erste startet am Freitag mit "Alles Glück dieser Erde".
Am Freitag sollten Zuschauer, die sich um 20.15 Uhr für die ARD entscheiden, ein paar Taschentücher bereit halten. Dann nämlich sendet das Erste das Melodram "Alles Glück dieser Erde" mit Uschi Glas, Maximilian Schell, Peter Simonischek und "Superweib"-Autorin Hera Lind.
Die Zutaten der rührigen Geschichte sind schlicht: Liebe und Intrige, Pferde, ein schönes Kärnten, ein paar Publikumslieblinge und ein fester Sendeplatz am Freitagabend.
Auf dem Programmplatz macht die ARD schon seit längerem gute Quoten mit seichten Dramen und romantischen Komödien. Dann nämlich, kurz vor dem Wochenende, verfolgten vor allem Frauen der mittleren Altersgruppe die Filme, sagt Sprecher Lars Jacob.
Der Marktanteil von Eigenproduktionen aus dem Bereich "emotionales Fernsehen" lag laut Jacob 2003 im Schnitt bei 15,1 Prozent, 2004 bis jetzt bei 15,6 Prozent. "Diese Art von Filmen läuft gut", sagt er. Das schlage sich auch in der Programmplanung für 2005 nieder.
Mit der Produktion von Schnulzen steht die ARD freilich nicht allein. Das ZDF verbucht nach "Rosamunde Pilcher" und "Inga Lindström" mit der täglichen Telenovela "Bianca - Wege zum Glück"" gute Quoten - in der ersten Woche im Schnitt 14,8 Prozent.
In den drei Reihen geht es zumeist um gut betuchte Adelige, die arme, aber attraktive Seelen retten. Die Pilcher- wie die Lindström-Verfilmungen sorgten am Sonntagabend für herausragende Einschaltquoten, mit denen das ZDF sogar den ARD-"Tatort" überrundete.
Darauf spekuliert auch der einst von Emotionen gepowerte Privatsender Sat.1. Der jüngste Erfolg des kleinen RTL-Konkurrenten: die laut Sprecherin Kristina Faßler "absolut wunderbare Romanze" "Liebe ohne Rückfahrschein" mit Jeanette Biedermann, die eine Quote von 17,4 Prozent bei allen Zuschauern und 23,6 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe einfuhr. Faßler sieht darin einen "ganz deutlichen Trend". Der Zuschauer könne sich eben darauf verlassen, dass die Geschichte gut ausgeht.
Sat.1 sieht sich laut Faßler deshalb in seinen Produktionsplänen bestätigt: "Der Trend kommt auf uns zu", sagt sie. Die zweite Telenovela im deutschen Fernsehen wird im Februar von Sat.1 ausgestrahlt.
Dass die Zuschauer aber nicht nur tränenreiche Melodramen sehen wollen, davon ist ProSieben überzeugt. "Wenn das die anderen Sender machen, dann reicht es den Zuschauern auch", sagt der Leiter für Eigenproduktionen, Christian Balz.
Sein Sender setze lieber auf die "Romantic Comedy", gerne frech und frivol für ein jüngeres Publikum. Natürlich entlasse auch dieses Genre den Zuschauer positiv, sagt Balz. Deshalb sieht er auch dort noch erhebliche Wachstumschancen. Das Potenzial sei "bei weitem noch nicht ausgeschöpft".
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