Fernsehmoderatoren wegen Nebentätigkeit in der Kritik: "Tagesthemen"-Moderator Buhrow unter Druck
zuletzt aktualisiert: 20.06.2009 - 20:59Hamburg (RPO). "Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow gerät nach den Berichten über
gut bezahlte Nebentätigkeiten immer stärker unter Druck. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und die "Bild"-Zeitung berichteten am Wochenende, leitende Redakteure von "ARD Aktuell" hätten Buhrow in einem Brief aufgefordert, auf künftige Nebenerwerbstätigkeiten zu verzichten beziehungsweise besser darauf zu prüfen, ob sie der Glaubwürdigkeit der "Tagesthemen" und des Senders schaden könnten.Laut "Bild" sollen "ARD-Aktuell"-Mitarbeiter außerdem an ihren Sender appelliert haben, Buhrow und anderen Moderatoren keine Nebentätigkeit mehr zu genehmigen. Der NDR äußerte sich nicht zu den Berichten.
NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann betonte im Radiosender NDR Info am Freitagabend, die Nebentätigkeiten seien genehmigt oder mit den Vorgesetzten abgesprochen worden. Es gebe sehr viele Journalisten, "die Nebentätigkeiten haben, und das ist auch völlig in Ordnung. Sie schreiben Bücher, sie halten Vorträge, sie moderieren vor einem Plenum. Und dafür wird man bezahlt, und das ist normal."
"Großartige Journalisten"
Entscheidend sei, dass die Moderatoren unabhängig blieben: "Jeden Abend wird klar, dass Tom Buhrow und auch Caren Miosga großartige Journalisten sind". Er könne sich nicht vorstellen, dass sie irgendeine Frage nicht stellen würden, weil sie irgendwann einen Vortrag gehalten hätten. "Das würde jeder sofort merken, und wir würden es auch sofort diskutieren."
Der NDR erarbeitet zurzeit Verhaltensregeln für Journalisten, wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete und wie der Sender bestätigte. Diese Arbeit habe bereits lange vor den derzeitigen Berichten begonnen, hieß es.
Ferner berichtete "Focus" unter Berufung auf Mitglieder des NDR-Rundfunkrates, bei einer Sitzung am Freitag seien erste Konsequenzen aus dem "Fall Buhrow" gefordert worden. So solle die Genehmigungspraxis für Nebentätigkeiten überprüft und Mitarbeiter verpflichtet werden, die Höhe ihres Honorars anzugeben.
Das NDR-Medienmagazin "Zapp" hatte über Nebenverdienste prominenter Fernsehmoderatoren wie Buhrow oder ZDF-Mitarbeitern wie Claus Kleber, Peter Hahne und Anja Kohl berichtet. "Zapp" zufolge zahlte etwa die Sektkellerei Henkell für einen Auftritt Buhrows beim "49. Henkell & Söhnlein Forum" mehr als 10.000 Euro. Buhrow befragte dort den SPD-Politiker Kurt Beck. Für einen Auftritt beim "Kapitalmarkt Forum", das wegen der Finanzkrise abgesagt wurde, sollte die Deutsche Bank ursprünglich 20.000 Euro zahlen.
ZDF-Chefredakteur Brender für Transparenz
Die "Bild"-Zeitung zitierte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender: "Die Nebeneinkünfte von Journalisten, die Glaubwürdigkeit beanspruchen, sollten transparent sein. Ein Journalist, der Nebentätigkeiten ausführen will, soll öffentlich sagen, was er macht, von wem er bezahlt wird und wie hoch sein Honorar ist."
Der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff, erklärte dem Blatt zufolge: "Ich wundere mich, was die Firmen für Honorare bezahlen. Anscheinend verdienen manche Moderatoren mit einer Stunde Vortrag mehr Geld als bei der ARD im ganzen Monat." Auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle forderte in der "Bild am Sonntag" eine Offenlegung der Zahlungen.
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