ARD-Drama: "Tatort"-Kommissar spielt schwulen Familienvater
VON GUIDO DIESING - zuletzt aktualisiert: 07.03.2007 - 12:54Düsseldorf (RP). Die Zuschauer kennen Klaus J. Behrendt als Kölner „Tatort“-Kommissar. In dem ARD-Drama „Einfache Leute“ spielt er heute Abend einen Familienvater, der seiner Frau verschweigt, dass er Männer liebt. Behrendt sagt: „Eine tragische Figur“.
Dass es sie gibt, ist längst kein Geheimnis mehr, doch die Betroffenen reden nicht darüber. Aus gutem Grund, denn homosexuelle Spitzensportler müssten im Falle eines öffentlichen Bekenntnisses nach wie vor befürchten, dass ihnen von den Rängen der Stadien und Sporthallen Abneigung bis zum offenen Hass entgegenschlüge. Also verleugnen schwule Sportler ihre sexuellen Neigungen, um ihre Karriere nicht zu gefährden, und leben ein Leben zwischen Versteckspiel und Lüge.
„Das ist ein trauriges Kapitel“, findet Schauspieler Klaus J. Behrendt. In Thorsten Näters Film „Einfache Leute“ spielt er den 40-jährigen Henrik Bode. In seiner Jugend ein talentierter und hoffnungsvoller Schwimmer, verleugnete er auf Druck von Verbandsfunktionären seine homosexuellen Neigungen. Nachdem er es als Sportler doch nicht ganz nach oben geschafft hat, lebt er nun als Familienvater und Bademeister in Bremerhaven.
Heimliche Besuche in Schwulenclubs
Seine Familie ahnt nicht, dass er seit einigen Jahren heimlich Schwulenclubs besucht. Auch das Auftauchen seines Ex-Freundes Lutz (Oliver Bäßler) weckt bei Ehefrau Betta (Barbara Auer) und Sohn Sebastian (Tom Schilling) noch keinen Verdacht. Als sie durch einen Zufall auf drastische Weise von Henriks Doppelleben erfahren, sind sie entsetzt. Doch während Sebastian sich von seinem Vater abwendet, kämpft Betta darum, die Familie zusammenzuhalten.
„Einfache Leute“ ist couragiert, bewegend und mit hervorragenden Darstellern besetzt, denen man anmerkt, dass der Film ihnen am Herzen liegt. Für Klaus J. Behrendt war es besonders wichtig und eine große Herausforderung, Henrik so darzustellen, dass er auch für Schwule eine glaubwürdige Figur ist: „Die Rolle ist eine Gratwanderung. Macht man zu wenig, ist man feige, macht man zuviel, droht das Klischee.“ Die große Traurigkeit, die Henrik umweht, lässt auch den Darsteller nicht kalt: „Er ist eine tragische, arme Figur und im Endeffekt auch wahnsinnig einsam. Es gibt in seinem Leben keine Romantik mehr.“
Regisseur Thorsten Näter findet eindringliche Bilder für die quälende Atmosphäre zwischen den Eheleuten und für das verzweifelte Ringen des Vaters um das Verständnis seines Sohnes. Den Film zeichnet aus, dass er nie den Eindruck erweckt, das Grundproblem bestehe in Henriks Schwulsein. Näter will zeigen, dass der Druck der Gesellschaft und die eigene Unfähigkeit, zu seinen Neigungen zu stehen, die Hautpfigur zum Lügen zwingen: „Es ist tragisch, weil er nach 20 Jahren feststellen muss, dass er den falschen Lebensentwurf gewählt hat. Alle Erfahrungen, die er in den 20 Jahren hätte machen können, hat er nicht gemacht.“
Dass der Film polarisieren wird, ist ganz im Sinne des Regisseurs: „Ich hoffe sehr, dass dieser Film zu einer Diskussion führen wird, warum es für deutsche Sportler so schwierig ist, sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen.“
Einfache Leute, Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD
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