TV-Kritik "Inas Nacht": Thomas Schaaf ist ein trockener Vulkan
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 11.07.2009 - 09:34Hamburg (RPO). Ina Müller moderiert die derzeit wohl unterhaltsamste und verrückteste Show im deutschen Fernsehen. Am Freitagabend wagte sich die Moderatorin und Sängerin dann an einen sehr ungewöhnlichen Talk-Gast: Werder-Trainer Thomas Schaaf gab sich in der Kneipenshow "Inas Nacht" die Ehre.
Der 48-Jährige ist für viele Dinge bekannt. Für seine sachlichen Analysen zum Beispiel. Für seine Beständigkeit, immerhin sitzt der gebürtige Mannheimer seit zehn Jahren bei ein und demselben Fußballklub auf der Bank. Oder für seine konsequente Weigerung, bei den albernen Aufgeregtheiten seiner Branche mitzumachen. Millionen Fußball-Fans respektieren Schaaf für seine sachliche und trockene Art.
Jetzt also der Auftritt in einer Talkshow, die alles andere als trocken ist. In "Inas Nacht" wird Bier getrunken, gesungen, werden Gurgel-Wettbewerbe veranstaltet und über Intim-Rasur gesprochen. Zumindest manchmal. Wie sich Schaaf, der von seiner Frau zu diesem Auftritt überredet wurde, da wohl schlagen würde?
Sagen wir mal: Es war ein bisschen anstrengend. Denn der Coach machte seinem Ruf alle Ehre. Selbst auf die ungewohnt vorsichtigen Fragen der Moderatorin gab er lediglich Mini-Antworten. Seinen Spielern sagt er nur "Guten Morgen" und "Guten Abend". Eine Lederhose würde er anziehen, aber nicht zu den Bayern wechseln. Er singt nie, er weint nie. Wirklich. Es gibt in ihm einem Vulkan, der aber nie brodelt. Ein trockener Vulkan.
Die aufregendste Aussage: Thomas Schaaf trinkt fünf Tassen Kaffee am Tag. Er findet, das sei ganz schön viel. Als die Moderatorin später das Werder-Lied anstimmt, singt Schaaf nicht mit. Das war irgendwie klar. Der Zuschauer ist nicht undankbar, als nach knapp 20 Minuten ein Straßenmagier kommt und das Geschehen auflockert.
Was bleibt von diesem Abend? Zwei Erkenntnisse: Thomas Schaaf ist tatsächlich derart spröde und staubtrocken, dass dies schon wieder cool und sympathisch ist. Und: Im "Sportstudio" scheint er sich deutlich wohler zu fühlen. Aber das wussten Ina Müller, Thomas Schaaf und Millionen Fußball-Fans wahrscheinlich schon vorher.
Nett war es dennoch irgendwie. Mal was anderes. Typisch Ina Müller eben.
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