Kritik: "Türkisch für Anfänger": Erste Folge war toll
VON BARBARA GROFE - zuletzt aktualisiert: 28.03.2007 - 12:09Klar war das nicht unbedingt. Denn der 18:50-Uhr-Sendeplatz in der ARD ist kein ganz einfacher. Schließlich hatte die beste aller Vorabendserien, „Berlin, Berlin“, die Messlatte verdammt hoch gelegt. Vorher und nachher gab es im deutschen Fernsehen keine Serie, die so schnell war, so komisch und junge Menschen ziemlich genau dort abgeholt hat, wo sie sind: in einem oftmals leicht bis mittelschwer chaotischen Leben, das nur selten genau so läuft, wie man es sich wünscht. Dafür haben wir Lolle geliebt, auch wenn nur übersichtlich viel realistisch war.
„Sternenfänger“ mit dem noch jungen Oliver Pocher und der schon großartigen Nora Tschirner gab es irgendwann – ja, das war sehr nett, aber keine Bombe. Im vergangenen Jahr legte die ARD mit einer Serie nach, die zwar immer noch nicht ganz an Lolle herankommt, aber doch ziemlich gut und ähnlich ARD-ungewöhnlich ist. "Türkisch für Anfänger" handelt von der deutschen Familie Schneider, Doris, Lena und Nils, und der türkischen Familie Öztürk mit Metin, Yagmur und Cem. Dass die Serie nicht wirklich quotenmäßig überzeugte, ist nicht nachzuvollziehen. Schließlich sind die Dialoge witzig und schön politisch unkorrekt, wird das schwere Thema türkisch-deutsche Patchwork-Familie, über das man normalerweise niemals lachen darf, federleicht angepackt. Aber man darf. Und man soll bitteschön auch.
Staffel Nummer zwei begann gestern und knüpfte in allen Punkten nahtlos an Nummer eins an. Lena und Cem beschließen, eine amtliche Affäre zu haben und müssen sich darum weiter anzicken - schließlich darf es ja keiner merken. Metin und seine Frau Doris nennen sich weiterhin Hasi eins und Hasi zwei, die Psychologin wirft mit schönstem Emo-Deutsch um sich. Axel, Lenas Ex-Freund faked einen Selbstmordversuch und wird dann von Lenas Eltern eingeladen, dort zu wohnen. Schön chaotisch und natürlich wenig realistisch.
Dass multikulturelles Zusammenleben so nicht wirklich funktioniert, weiß wohl jeder. Störend ist das nicht. Denn dankbar ist der Fernsehzuschauer schon, weil die Serie sich traut, das Thema Multikulturalität nicht ganz so schrecklich ernst zu nehmen.
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